Der verblüffte Zeitgenosse reibt sich die Augen. Hat die Koalition sich nicht zum Ziel gesetzt, den Beitragssatz zur Rentenversicherung bei zwanzig Prozent zu stabilisieren? Und deshalb drastisch Leistungen zusammengestrichen? Nun aber diese Hiobsbotschaft: Statt zu sinken, steigen die Beiträge im kommenden Jahr voraussichtlich doch wieder - um schätzungsweise 0,2 Prozentpunkte auf 20,5 Prozent.

Doch so schwer ist das Phänomen eigentlich gar nicht zu verstehen: Die beschlossenen Sparmaßnahmen wirken nur mittel- bis langfristig, auch wenn die Regierung etwas anderes behauptet hat. Das einzig kurzfristig wirkende Mittel gegen steigende Beiträge wäre ein wirksames Programm gegen die Massenarbeitslosigkeit. Denn die treibt die Sätze nach oben. Daß beispielsweise die monatlich verkündete Arbeitslosenzahl "nur" etwas über vier und nicht über fünf Millionen liegt, verdankt die Regierung nämlich der Rentenversicherung: Die zahlt allein 20 Milliarden Mark für 800 000 Ruheständler, die nur deshalb Anspruch auf Rente haben, weil sie keine Arbeit mehr finden. Wären sie noch in Lohn und Brot, läge der Beitragssatz bei 18,8 Prozent - und alle wären zufrieden.