Sieben Monate dauerten die Verhandlungen, dann hatte Spar-Großaktionär Klaus-Peter Schneidewind die Franzosen an der Angel: Die Einzelhandelskette Intermarché und die Deutsche Spar AG werden ihre Interessen bündeln. Die gemeinsame Holding Intercontessa mit Sitz im schweizerischen St. Gallen, an der Intermarché mit 51 Prozent und die Anlegergruppe Klaus-Peter Schneidewind, WCM, Bernhard Schmidt und Friedrich Diekell (zusammen 49 Prozent) beteiligt sind, übernimmt 75 Prozent plus einer Aktie des Spar-Kapitals, die bisher von der deutschen Anlegergruppe gehalten wurden.

Der Rest liegt bei freien Aktionären.

Gut 700 Millionen Mark lassen sich die Franzosen den Coup kosten. Der neue Handelsriese (gemeinsamer Umsatz: über 60 Milliarden Mark) setzt sich damit auf Platz zwei in Europa - nur die Metro ist größer.

Die Metro dient für die deutsch-französische Hochzeit denn auch als Muster - und als Gegenmodell. Wie der europaweit agierende Groß- und Einzelhandelsriese wird auch der neue Gigant von der Schweiz aus die gemeinsamen Geschäfte lenken. Doch anders als die Metro soll Intermarché nicht zur Zentrale eines straff gelenkten Konzerns werden. Klaus-Peter Schneidewind: "Das ist der Aufbruch der Selbständigen in Europa."

Die Handelskette Intermarché betreibt in Frankreich derzeit 2774 Verkaufsstellen, die von den Betreibern, im Volksmund : "Musketiere", in unternehmerischer Eigenverantwortung geführt werden. Gemessen am Umsatz von gut vierzig Milliarden Mark, war Intermarché 1996 hinter Carrefour und Promodès die Nummer drei in Frankreich. Mit einem Marktanteil von gut fünfzehn Prozent liegt die Pariser Handelskette bei Lebensmitteln gar auf Platz zwei.

Mit der Übernahme der Spar-Mehrheit will die Intermarché der Stagnation auf dem Heimatmarkt entrinnen. Seit drei Jahren erschweren Gesetze zum Schutz kleiner Innenstadthändler in Frankreich die Öffnung neuer Supermärkte. So konnte Intermarché 1996 nur 6 neue Märkte einweihen - verglichen mit früher bis zu 150 Neueröffnungen jährlich. Den Konkurrenten geht es ähnlich.

Konzentration und Aufkäufe im Ausland heißen deshalb die Wachstumsstrategien.