Die Thyssens, Krupps und Harkorts wären sehr verwundert, wenn sie das Treiben in ihrem einstigen Dominium sehen könnten. Menschen in legerer Kleidung geben sich einem Spiel hin, das zwar vielfach noch immer als elitär und luxuriös gilt, aber schon lange nicht mehr nur von Bergassessoren oder Stahlbossen ausgeübt wird. Wer die - allerdings nicht gerade niedrigen - Summen für Beitritt und Jahresbeitrag zahlt, kann dem grünen Sport auch dort frönen, wo lange Zeit die Schwerstarbeit in den Kohlengruben und Stahlwerken das Leben bestimmte.

Ja, auch im Ruhrgebiet wird Golf gespielt. Das wird jedoch nur diejenigen wundern, die beim Gedanken an diese Region noch immer eine rußdunkle Landschaft mit Hochöfen vor Augen haben. Dabei grünte es schon immer in vielen Ecken des Reviers, und inzwischen grünen hier auch die Greens. Sie bereichern nicht nur Städte wie Essen, Duisburg und Hagen, Recklinghausen und Gelsenkirchen, sondern auch andere Gemeinden des früheren Kohlenpotts. Allein im westfälischen Teil der Region können Golfer bereits unter vierzehn verschiedenen Plätzen wählen. Viel mehr Auswahl wird selbst im Umfeld von Hamburg und München nicht geboten.

Der Golfsport hat Konjunktur an der Ruhr. Fast ließe sich mit Ortega y Gasset behaupten: "Mehr als ein Spiel ist Golf und mehr als nur ein Sport für wenige." Für Aufschwung sorgen auch die kommunalen Politiker, die in den gepflegten grünen Golfarealen eine Standortzierde für ihre Gemeinden sehen.

Wenn ein altgedienter Sozialdemokrat wie der Dortmunder Oberbürgermeister Samtlebe sich kundig über Greenkeeper und Grüns auslassen kann, zeigt dies, daß gegenüber der gehobenen Sportart keine Berührungsängste mehr bestehen und sich der Strukturwandel im Revier auch in den Köpfen vollzogen hat.

In Dortmund gibt es bereits drei Anlagen, und die Nachfrage ist noch immer groß. Auf der Innenfläche der Pferderennbahn betreibt der Club Paragon eine ausgewachsene Neun-Loch-Anlage. Das Hippodrom gewährt ihr einen zwar ungewöhnlichen, aber sehr großzügigen und wohlerhaltenen Rahmen.

Gewöhnungsbedürftig ist auch die Anfahrt zum Royal Saint Barbara's Club, denn sie führt mitten durch ein Gewerbegebiet. Der Besuch lohnt dennoch, weil hier im Dortmunder Nordosten die Rheinarmee einen Golfplatz hinterlassen hat, der sich wie eine englische Parklandschaft präsentiert. Wer bei den Par 73 zu oft den Boden pflügt, kann zur Not Saint Barbara anrufen sie ist nicht nur Schutzpatronin der britischen Artillerie, sie steht, Glück auf, auch den Bergleuten bei.

Der attraktivste Platz der Westfalenmetropole liegt, wie in den meisten anderen Revierstädten auch, im Süden. Der Dortmunder Golfclub (Gründungsjahr 1956) zählt zu den ältesten in Nordrhein-Westfalen. Auch viele seiner Mitglieder weisen Patina auf. Einige von ihnen dürften zu Zeiten der florierenden Schwerindustrie noch das Wirtschaftswunder mit angeschoben haben. Ihr Club erinnert mit einer gewissen Eleganz daran, daß Kohle und Stahl den Dortmundern einmal viel Geld bescherten. Lange ist's her.