Manch einer ist immer noch überrascht über den erstaunlichen Erfolg, den die "Tage der Architektur" in den vergangenen zwei Jahren im ganzen Lande hatten. Zigtausende hatten sich vorführen und erklären lassen, was sie sonst meist nur mit flüchtigem Blick zu streifen pflegen: Gebäude vom Einfamilienhaus bis zur Fabrik, Gärten und Parks, restaurierte Baudenkmale, die spröden Geheimnisse der Stadtplanung. Nun also geht es weiter: Alle Bürger sind eingeladen, sich an den "Tagen der Architektur", für die in den meisten Bundesländern der 28. und 29. Juni (in Schleswig-Holstein schon der 15. Juni) ausgesucht worden sind, auf den Weg zu machen. Bauwerke aller Art werden von ihren Architekten vorgeführt es gibt Besichtigungen, Vorträge und dergleichen mehr. Auskunft erteilen überall die Architektenkammern der Länder - auch in Hamburg, das in diesem Reigen gleich ein ganzes Ballett aufführt: Es veranstaltet seinen zweiten "Architektensommer".

Derweil verhagelt der Senat den Architekturstudenten gerade die Zukunft. Ächzend unter ihren Schulden, hat die Hansestadt eine Expertenkommission beauftragt, den Numerus clausus radikal zu verschärfen und das Studium zu amputieren: Die Kunsthochschule soll Baukünstler, die Fachhochschule nur noch Bautechniker heranzüchten dürfen - mit dem Effekt, daß die Absolventen nach dem Architektengesetz keine Architekten mehr wären. Und an der TU soll von architektonischer Gestaltung gleich gar keine Rede mehr sein. Wer aber prüft unterdessen die Experten der Kommission?