Hormonfleisch, Bananen, Stahl, Staatsaufträge - im europäisch-amerikanischen Alltag ist Außenpolitik zu Außenwirtschaftspolitik verkümmert.

Partikularinteressen bestimmen die Tagesordnung Präsidenten, Kanzler und Minister verstehen sich als Cheflobbyisten. Jetzt haben sie ein neues Thema gefunden: Flugzeuge. Die Europäische Union will die Fusion des amerikanischen Giganten Boeing mit dem Konkurrenten McDonnell Douglas verhindern, eine Fusion, die die Regierung Clinton zumindest wohlwollend begleitet hat. Der EU-Kommissar Karel van Miert, zuständig für den Wettbewerb, hat seine Bedenken in Seattle deponiert ein regelrechtes Fusionsverbot ist möglich.

Aber wie kommen die Brüsseler überhaupt dazu, sich in die Geschäftspolitik amerikanischer Firmen einzumischen? Die Antwort mag überraschen: Ihr Auftrag läßt der Kommission gar keine andere Wahl. Mißbrauchsaufsicht, Fusionskontrolle und Kartellverbot sind dazu da, die Verbraucher vor der Marktmacht der Produzenten zu schützen. Deshalb kommt es in der Wettbewerbspolitik weder darauf an, wo die Verbraucher leben, noch, wo die Firmen ihren Sitz haben. Angesichts der US-Elefantenhochzeit muß die Kommission befürchten, daß Europas Fluggäste eines Tages über ihre Tickets für überteuerte Flugzeuge eines Monopolisten Boeing aufkommen müssen.

In der Marktwirtschaft geht es um die Verbraucher - würde diese Selbstverständlichkeit nicht so leicht vergessen, dann wäre das Erstaunen über den keineswegs einzigartigen Vorstoß der Kommission jetzt nicht so groß. Schon früher sind Amerikaner gegen japanische Kartelle vorgegangen, die EU hat gegen die Fusion zweier südafrikanischer Platinproduzenten interveniert. Der Fall Boeing ragt nur insofern heraus, als hier besonders viel Geld, Macht und Prestige im Spiel sind.

Für den Schaden, den die Fusion dem Wettbewerb zufügen könnte, liegt zumindest ein Anfangsverdacht auf der Hand: Boeing nutzt schon heute seine Dominanz auf dem Weltmarkt für jahrzehntelange Exklusivverträge mit Fluggesellschaften über seinen neuen Partner bekommt das Unternehmen nun auch noch Zugang zu den Rüstungsmilliarden aus Washington.

All dies hat die Kommission zu Recht auf den Plan gerufen. Aber wie wollte sie eine Entscheidung, welcher Art auch immer, jenseits des Atlantiks durchsetzen? Im Extremfall könnte sie das fusionierte Unternehmen für illegal erklären und exorbitante Strafen verhängen.

Dies dürfte jedoch einen Handelskrieg zwischen Brüssel und Washington auslösen. Dann lieber verhandeln!