Jedes Jahr im Juli tritt Hans-Georg Noack, der Spielleiter des Deutschen Fußball-Bundes, vor sein Volk und verkündigt den Spielplan für die kommende Saison der Bundesliga. Jedes Jahr ist das ein denkwürdiger Tag. Polizisten und Fernsehleute, Funktionäre und Busunternehmer und Myriaden von Fans nehmen ihre Terminkalender zur Hand, und am Ende weiß die halbe Republik wieder einmal, wie sie sich das Jahr einteilt. Dann fängt das Maulen an.

Zu viele schwere Gegner hintereinander, finden die Vereine, oder zu viele leichte. Der Bundestrainer fordert mehr Rücksicht auf die Länderspieltermine, die Fernsehsender sind sowieso nie zufrieden, und der SC Freiburg sagt, er könne unmöglich mit einem Heimspiel beginnen, das Stadion sei ja noch gar nicht fertig. So war es am Anfang der Spielzeit, die gerade zu Ende geht, so wird es sein, wenn die nächste beginnt.

Dabei habe er in den Wochen zuvor, sagt Hans-Georg Noack, "schon oft dreißig bis vierzig Bögen Papier zerfetzt", bis der Spielplan einigermaßen paßte. Ja es ist erstaunlich, daß es überhaupt jedes Jahr wieder einen gibt. 306 Spiele an 34 Spieltagen, jede Mannschaft gegen jede, einmal zu Hause, einmal auswärts, immer abwechselnd, das will erst einmal ausgetüftelt sein, zumal immer öfter ein Stadion gesperrt ist wegen eines Popkonzerts oder eines Treffens der Zeugen Jehovas. Rein rechnerisch gibt es Spielpläne ohne Zahl, nur ein winziger Bruchteil funktioniert.

Noack weiß das am besten; er verwendet insgeheim immer denselben. Seit Jahrzehnten verfährt der DFB nach einem Plan, in dem eine Spielzeit lang nur Nummern gegeneinander antreten: 7 gegen 14, 9 gegen 12 und so weiter. Noack setzt dann jedes Jahr nach langem, schweren Tüfteln für jede Nummer eine Mannschaft ein, und schon ist ausgemacht, daß der SV Freiburg am ersten Spieltag gegen Werder Bremen ein Heimspiel bestreitet und am zweiten in Hamburg gegen den HSV antritt, wenn ausnahmsweise sonst nichts dagegen spricht.

Ein Mathematiker, heißt es, habe den ewigen Spielplan einst ausgebrütet; sein Name ist vergessen. Aber in alle Zeit wird der DFB sich hüten, von seinem Plan abzuweichen. Wer weiß, ob man je wieder einen findet, der aufgeht. Auch so wird es von Jahr zu Jahr schwieriger. Allzu viele Schikanen wollen gemeistert sein.

28mal mußte Noack allein in der laufenden Spielzeit wegen einer Stadionsperre ausweichen. Früher verschob er das Spiel dann eben auf Dienstag oder Mittwoch, heute aber machen sich da die Europapokalspiele breit, vor denen wiederum die teilnehmenden Mannschaften genügend Ruhetage begehren. Selbst der simple Heim-Auswärts-Takt ist nur unter Ächzen einzuhalten. Wenn beispielsweise St. Pauli in Hamburg ein Heimspiel hat, muß der HSV auswärts antreten; vier solcher Paare gibt es in der Bundesliga, und alle muß Hans-Georg Noack bedenken. "Das ist eine Fummelei, kann ich Ihnen sagen."