Vielleicht. So muß das erste Wort in dieser Geschichte lauten. Vielleicht war es, vielleicht war er so. Wer denn wäre in Sachen Herbert Wehner schon objektiv? Fast alle, die sich jetzt einmischen, sind Partei.

Wehner, der Verführte! Wehner, der Verführer!

Unsereins kam Wehner, der 1990 nach großen Qualen gestorben ist, befremdlich autoritär vor. Schon deshalb blieb Distanz. Andererseits brachte er großes Theater in unsere kleine Stadt. Herbert Wehner war Josef Meinrad. Er beherrschte die Wortekunst. Und ein Geheimnis hatte er auch.

Der Streit über ihn, den Wiedergänger, hat sich verselbständigt. Der Mythos, schrieb der Philosoph Hans Blumenberg, sei "immer schon in Rezeption übergegangen, und er bleibt in ihr". Es bleibe bestehen, "daß alle Fassungen konstitutive Elemente des einen Mythos sind".

Es sei kein Vergnügen, recht zu behalten, notiert Klaus Harpprecht in der FAZ nach Lektüre von Markus Wolfs Memoiren (in der Fassung des sterns, die Kai Hermann aufbereitet hatte). Aber er fühlt sich, "dank Markus Wolf", voll bestätigt in dem Psychogramm, das er aufschrieb, als Wehners Attacke auf Brandt im Oktober 1973 ausgerechnet in Moskau publik wurde. Bis in den Grund seiner Seele sei Wehner von den Henkerjahren des Stalinismus und der totalitären Krankheit geprägt. Unrettbar, für immer.

Wem würde man lieber zustimmen als Klaus Harpprecht? Wenn es bloß nicht Markus Wolf wäre, dem wir zu glauben hätten. Alle legen nach. Der stern berichtet nun, Wehner habe nicht nur seit 1973 gegen Brandt intrigiert, sondern 1978 auch Honecker über Wolfgang Vogel mitgeteilt: "Schmidt befindet sich in einer politischen, gesundheitlichen und persönlichen Krise von bisher nicht bekanntem Ausmaß." Ost-Berlin habe er vor einem Angriffskrieg der Nato gewarnt und in einem geheimen Papier behauptet, die CIA verstreue den Bazillus eines möglichen Krieges zwischen den beiden deutschen Staaten. Kanzler Schmidt lasse sich in diese abenteuerliche US-Politik hineinziehen.