Arbeit auf eigene GefahrSeite 6/6
Vielleicht auch, weil sie ihren Job für sinnvoll hält - um kurz danach zu betonen, daß Arbeit nicht der Platz für Sinnsuche sei, sondern bitter notwendiger Broterwerb.
"Wie ich mehr Geld verdienen könnte, weiß ich nicht", sagt Birgit Schulte, "Ärztin kann ich jetzt jedenfalls nicht mehr werden." Gleich darauf reagiert wieder die Systemgegnerin in ihr: "Und im übrigen habe ich auch keine Lust, Karriere zu machen." Statt dessen will sie endlich Rollerskating lernen, noch eine Sprache beherrschen und mehr Zeit zum Lesen haben.
Um nicht immer die gleichen Deutschkurse zu geben, stellt sie gerade einen Kurs in kreativem Schreiben zusammen - für einen ganz anderen Teilnehmerkreis. In dem will sie ein Gefühl für literarische Sprache wecken.
Sie macht das mit Enthusiasmus - und ist sich der Grenzen bewußt: "Kreativität an einem Platz auszuloten, an dem nun Rentabilität zählt, ist schon gegenläufig." Vielen Institutsleitern sei die Qualität der Lehre nicht mehr so wichtig: Hauptsache, die Gebühren kommen rein und zu Weihnachten werden die Prüfungen bestanden. Wenn ein Lehrer sich querlegt, ist Ersatz nicht weit. Als Konkurrenten mag Birgit Schulte die anderen aber nicht sehen: "Die können doch nichts dafür."
So macht sie mit in dem System, dessen Mechanismen sie nicht aus den Augen und nicht aus dem Bewußtsein läßt. Teils, weil sie muß, teils, weil sie will.
"Ich fühle mich schon als Selbständige", sagt
- Datum 06.06.1997 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 24/1997
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