Die Neffen mucken auf

von Heinz-Guenter Kemmer

Beinahe in letzter Minute hat das Oberlandesgericht Hamm einem Rechtsstreit den Weg geebnet, der die deutsche Justiz für ein paar Jahre beschäftigen wird: Weil das Hammer Gericht den Streitwert von ursprünglich einer Milliarde Mark auf zwei Millionen Mark gesenkt hat, klagen Eckbert und Friedrich von Bohlen und Halbach - Neffen des letzten Krupp an der Unternehmensspitze - gegen die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung und Alfrieds Testamentsvollstrecker. Ziel der Klage ist es, den Mitgliedern der Familie Krupp drei Sitze im Stiftungskuratorium zu verschaffen.

Die Zeit drängte, weil Alfried Krupp von Bohlen und Halbach - der letzte Inhaber der Firma Krupp - am 30. Juli 1967 gestorben ist. Dreißig Jahre nach seinem Tode wären alle Ansprüche verjährt gewesen - einen Rechtsanspruch für die Familie hätte es nicht mehr geben können.

Anzeige

Ob es ihn künftig gibt, darüber wird in erster Instanz das Landgericht Essen befinden. Schon diese Instanz hätte die klagewilligen Vertreter der Familie ruiniert, wenn es bei dem ursprünglich angesetzten Streitwert von einer Milliarde Mark geblieben wäre. Um dem zu entgehen, haben die Kläger ihre Forderung modifiziert: Nicht mehr die Mehrheit der Sitze des derzeit achtköpfigen Stiftungskuratoriums fordern sie, sondern nur noch drei. Damit werde, so urteilten die Hammer Richter, das "Interesse der Antragsteller jetzt weitaus überwiegend von ideellen Motiven bestimmt". Und bei "ideellen Motiven", so darf der juristische Laie daraus wohl schließen, macht es die Justiz billiger als bei kommerziellen.

Zu dem Streit wäre es nicht gekommen, wenn der oberste Testamentvollstrecker des letzten Krupp, Berthold Beitz, der Familie freiwillig Sitz und Stimme im Kuratorium eingeräumt hätte. Aber dazu war er unter Berufung auf Alfried Krupp nicht bereit. Denn der habe, so Beitz, seinen Vorschlag verworfen, ein Mitglied der Familie in das Kuratorium zu berufen.

Das mochten sich die dreizehn Nachkommen von Alfrieds sieben Geschwistern auf Dauer nicht bieten lassen. Zusammen mit ihren eigenen Nachkommen und zwei noch lebenden Schwestern Alfrieds repräsentieren sie eine Gruppe von rund fünfzig Krupp-Abkömmlingen, die nicht völlig vom Geschehen in der Stiftung ausgeschlossen sein will.

Reich würde sie der Einzug in das Stiftungskuratorium nicht machen. Die Stiftung hält zwar die Aktienmehrheit bei der Fried. Krupp AG Hoesch-Krupp und kassiert die darauf anfallenden Dividenden, ist aber gemeinnützig und darf mit dem Geld alle möglichen Einrichtungen, nicht aber die Familie beglücken.

Um Geld gehe es der Familie auch gar nicht. Das sagt Diana Maria Friz, eine Tochter von Alfrieds Schwester Waltraut, die als Pressesprecherin des Familienrats fungiert. Frau Friz, die vor neun Jahren mit ihrem Buch "Alfried Krupp und Berthold Beitz" Aufsehen erregte und den Streit der Familie mit dem selbsternannten Gralshüter Kruppscher Tradition öffentlich machte, geht es um "die Wahrung des Kruppschen Gedankenguts, insbesondere der sozialen Komponente". Sie beklagt eine "mangelnde Transparenz" der Stiftung und sagt: "Ich weiß nicht, wie das Geld ausgegeben wird."

Service