Kürzlich schrieb der Nürnberger Vorstadtverein Luitpoldhain-Dutzendteich dem CSU-Oberbürgermeister Ludwig Scholz, entsprechend einer "langjährigen Forderung der Bevölkerung" solle der unzeitgemäße Platz der Opfer des Faschismus wieder seinen bewährten alten Namen Wodansplatz führen. Doch der OB lehnte ab, und der stellvertretende Nürnberger CSU-Bezirksvorsitzende Markus Söder erklärte warum: Eine Rückbenennung hätte "eine unglückliche Signalwirkung für unsere Stadt".

Die Nürnberger CSU hatte da gerade erst einen Beschluß mit einer glücklichen Signalwirkung für die Stadt gefaßt, der deutlich macht, wer in dieser Stadt ehrenwert ist und wer nicht. Mit den Stimmen von CSU und Republikanern wurde der 90jährige Karl Diehl Ehrenbürger der Stadt Nürnberg. Und mit den Stimmen von CSU und Republikanern wurde der Antrag von Grünen und SPD abgelehnt, den 69jährigen Hermann Glaser zum Ehrenbüger der Stadt zu machen.

Wer Karl Diehl ist, muß man außerhalb von Nürnberg und den Wirtschaftsspalten der Frankfurter Allgemeinen wohl erläutern. Denn ihm gehört - laut FAZ - "Deutschlands diskretester Milliardenkonzern". Und er besitzt seit jeher "ein feines Gespür für Konstellationen, die Gutes für die Zukunft verheißen".

Dieses Gespür zeigte sich spätestens 1938, als Karl Diehl die Führung der väterlichen Maschinenbaufabrik übernahm. Er setzte auf Waffen für Hitler und seine Wehrmacht. Als Karl Diehl 1938 antrat, erzielte das Unternehmen mit 2800 Mitarbeitern knapp fünfzehn Millionen Reichsmark, heute überschreitet es mit rund 14 000 Mitarbeitern einen Weltumsatz von drei Milliarden DM. Und davon ist ein beachtlicher Anteil Rüstungsproduktion. 1945 war Diehl nur vorübergehend an der Unternehmensführung gehindert. Und mit dem Entstehen der Bundeswehr konnte er wieder ins Rüstungsgeschäft einsteigen. Diehls Konzern lieferte die Gleisketten für den Kampfpanzer Leopard, Maschinenkanonen für die Kampfflugzeuge Tornado und Alpha-Jet, Zündsysteme, Rohrwaffen- und Lenkmunition, ist wesentlich beteiligt an Milliardenprojekten wie dem "Mittleren Artilleriesystem" (Mars) und dem der "Mehrzweckwaffe" (MW 1).

Dabei war die Freundschaft mit dem Duzbruder Franz-Josef Strauß nie abträglich. Der hatte, bevor er starb, noch die Jubelrede zu Diehls achtzigstem Geburtstag gehalten.

Dessen "bodenständigem Realismus" und seiner "bedachtsamen Vorausschau" - so wieder die Frankfurter Allgemeine - ist es zu verdanken, daß sein Nürnberger Konzern nicht nur zum drittgrößten deutschen Waffenproduzenten aufstieg, sondern auch mit einem beachtlichen Rüstungsexport einen Beitrag zu einer gerechten Verteilung der Rüstungsgüter in aller Welt leistete.

Wer Hermann Glaser ist, den der Stadtrat nicht zum Ehrenbürger machte, muß man zwar nicht in der restlichen Bundesrepublik erläutern, doch in Nürnberg erinnert - seit dort die CSU regiert - kaum noch etwas an ihn. Er war, neben dem Frankfurter Hilmar Hoffmann, der bedeutendste Kulturreferent in der Bundesrepublik. Er hat aus der Stadt der Reichsparteitage in der Zeit seiner Tätigkeit ein europäisches Kulturzentrum gemacht. Die von ihm geleiteten "Nürnberger Gespräche" wurden in der ganzen Welt bekannt. Und wenn Nürnberg etwas von seinem Makel aus der Nazizeit verloren hat, dann durch Glasers Tätigkeit.