Ein Bär für 170 000 MäuseSeite 2/6

Alfonso trägt ein goldfarbenes Kosakenhemd, er ist ein Topstar in der Bärenwelt, zur Zeit in England ansässig. In Norddeutschland, so geht das Gerücht, soll jetzt Alfonsos grüner Bruder Friedel aufgetaucht sein. Für Teddys wie diese beiden werden sechsstellige Summen hingeblättert.

Die Dame in Schwarz auf dem Podest ist Ruth R. Zandberg aus dem Hause Christie's. Vergnügt und polyglott waltet die Auktionatorin ihres Amtes.

"Wollen Sie bieten oder wollen Sie nur winken? Vorsicht - das kann teuer werden!"

Die Dame im Geblümten, die mit neugierig vorgerecktem Kinn in der vierten Reihe sitzt, ist Siegfriede Steiff, 67, Margaretes Großnichte, seit 41 Jahren für die Firma tätig. Sie sagt: "Jojo, isch doch spektakulär- Christie's in Giengen!" Dann, zickig: "Die da vorne soll sich mal die Haare aus'm G'sicht streiche - der schenk ich noch 'ne Spange!" Als Mrs. Zandberg Englisch spricht, ruft sie ihr zu: "Schwätz doch Deutsch!"

Die Auktionatorin hält Nr. 78 in die Höhe: Teddy Bär, 60 Zentimeter, braungespitzter Plüsch, mit Holzwolle gestopft, Vater des beliebten Teddyclowns, 1925 hergestellt, nicht in Serie gegangen - ein Spitzenbär!

Durch die Menge geht ein Stöhnen, alle Augen richten sich auf einen rundlichen Herrn mit Brille in Reihe acht: Hiroshisa Satoh aus Tokio. Er sitzt wie ein Buddha inmitten einer fünfköpfigen, japanischen Delegation, hält starr die Bieternummer 159 in die Höhe und in die Fernsehkameras. Nach drei Minuten ist alles entschieden, bei 170 000 Mark geben die Mitbieter auf.

Applaus. Bernhard M. Rösner, Geschäftsführer der Margarete Steiff GmbH, eilt herbei und gratuliert zum Erwerb des jetzt zweitteuersten Teddys der Welt.

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  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

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