Als er erklärte, eine Textverarbeitung programmieren zu wollen, erntete er dröhnendes Gelächter. Als er hinzufügte, nach dem Verkauf von 250 000 Exemplaren werde er sich aus dem Geschäft zurückziehen, kannte die Heiterkeit keine Grenzen mehr.

Das geschah bei einem Treffen des legendären Homebrew Computerclubs in San Francisco; man schrieb das Jahr 1975. Damals dachten offenbar selbst Techniknarren nicht im Traum daran, daß Rechner sich je mit Textverarbeitung befassen könnten.

Doch Michael Shrayer ließ sich nicht beirren: Im Dezember 1976 kam die erste brauchbare Textverarbeitung der Welt heraus. Ihr Name konnte nur einem Computerbastler eingefallen sein: "Extended Software Package 1". Bald wurde sie in "Electric Pencil" umbenannt.

Shrayer hielt sich auch an den zweiten Teil seines Versprechens. Als er 250 000 Kopien verkauft hatte, machte er seine Firma zu. Das war vor zehn Jahren. Seither beschäftigt sich Shrayer, ein gelernter Kameramann, nur noch mit seiner größten Leidenschaft, dem Amateurfunk.

Der Electric Pencil entstand in einer Zeit, da man von einem Wunder sprach, wenn zwei Computer miteinander kompatibel waren. Nach und nach entwickelten Shrayer und sein Partner Harold Pennington deshalb 78 Versionen des Pencil für Computer wie den Gavilan oder den Quasar, für den TRS 80 und den Atari, für Betriebssysteme wie Oasis und CP/M in all ihren Varianten. Die letzte Version entstand für den ersten IBM-PC, dessen Nachkommenschaft heute über alle Welt verbreitet ist. Er verfügte über 48 Kilobyte Arbeitsspeicher und lief mit DOS 1.0 als Betriebssystem. Mit dem knappen Speicher hatte der Pencil keine Probleme, er belegte nicht einmal die Hälfte davon.

Eine deutsche Ausgabe des Pencil, vertrieben von der Softwarefirma Hofacker in Holzkirchen bei München, begleitete mich getreulich beim schmerzensreichen Wechsel zum DOS-PC, der über einige Zwischenstationen, sprich andere Rechnertypen führte. Im Impressum hatte Winfried Hofacker seine Firma mit dem hübschen Vermerk "Holzkirchen - Singapore - Los Angeles" eingetragen, weil er das für unübertrefflich weltläufig hielt. Die Hofacker GmbH setzt immer noch den Pencil als Textverarbeitung ein. Irgendwo im Keller müßten sogar noch verkäufliche Exemplare liegen, meint der Chef.

Der Pencil hat vielen Nachfahren den Weg bereitet, zum Beispiel der populären Textverarbeitung Wordstar, die ganz offenkundig nach seinem Vorbild programmiert worden war. Als Wordstar vier Jahre nach dem DOS-Pencil auf den Markt kam, war allerdings der Vorfahr schon fast vergessen. Nicht anders erging es Superzap, dem zweiten Produkt von Shrayers Firma, das gelöschte DOS-Dateien rekonstruieren konnte. Ein Journalist namens Peter Norton begründete nach diesem Vorbild seine Sammlung nützlicher Programme, die Norton Utilities, und von Superzap war bald keine Rede mehr.