Die Schnäppchenjagd zählt zu den liebsten Urlaubsbeschäftigungen.Am meisten Spaß macht dieses Hobby auf Wochen-, Floh- und Weihnachtsmärkten.Da hoffen Touristen, ob in Europas Metropolen oder in fernen Ländern, auf besonders typische Souvenirs - und genießen gleichzeitig die Nähe zum Alltag der Einheimischen.Wer eine Wien-Reise plant, kann sich nun schon vorab über Markttage und Angebot in den verschiedenen Stadtteilen informieren: In seinem Buch Die Wiener Märkte stellt Werner T.Bauer rund hund ert davon ausführlich vor. Der Leser erfährt beispielsweise, welche der insgesamt achtzehn Wiener Weihnachtsmärkte einen Besuch lohnen, auf welchen Flohmärkten Touristen bereits die Preise verdorben haben und wo die Wiener am liebsten Gemüse oder exotische Gewürze kaufen.Der ausführlichen Beschreibung jeder einzelnen Veranstaltung, vom prominenten Naschmarkt bis zu entlegenen Kirchweihmärkten, hat er eine anschauliche Kulturgeschichte des Wiener Marktwesens vorangestellt. Noch lange nachdem die erste erhaltene Marktordnung im 13.Jahrhundert entstand, lag die Lebensmittelversorgung der Stadt nahezu ausschließlich in Händen der Bauern, die ihre Ware an den Straßenständen verkauften.Um so wichtiger war es, die Gewichte der Händler und, etwa bei Fleisch und Fisch, die Frische der Produkte, aber auch die Preise offiziell zu kontrollieren. Nach einer Zeit des Niedergangs erleben die Märkte seit rund zehn Jahren eine Renaissance: Auch bei jungen Leuten ist der Einkaufsbummel dort wieder zum festen Bestandteil der Wochenplanung geworden. Werner T.Bauers detailreiche Texte beschreiben die Entwicklung des Marktwesens als einen Teil der Sozialgeschichte.Zahlreiche Photos und Illustrationen zeigen den Wandel der Zeiten im Bild.Ein informatives und unterhaltsames Buch für Wien-Fans, die sich der Stadt unter einem besonderen Blickwinkel nähern möchten. Auch der Band Wien wirklich - Der Stadtführer wendet sich an Leser, deren Interesse an Österreichs Hauptstadt nicht schon beim Stephansdom und bei Schloß Schönbrunn endet.Das Buch vereint zahlreiche Aufsätze zu Wiens Geschichte und Gegenwart, zur Architektur und zu den Menschen, die in der Stadt leben. Den jungen Szenelokalen ist ebenso ein Kapitel gewidmet wie dem Alltag der Wiener Senioren, dem Selbstdarsteller Friedrich Hundertwasser ebenso wie den rund 1300 ägyptischen und asiatischen Zeitungsverkäufern, die mit ihrer gedruckten Ware hausieren gehen.Der Leser erfährt Näheres über die Donauregulierung, die Mieten und die Entstehung der Psychoanalyse in Wien. Die meisten Texte sind sehr kompetent, aber wissenschaftlich trocken geschrieben: ein Handbuch für Leute, die keine Mühe scheuen, um hinter Wiens Fassaden zu schauen - am ehesten wohl für die Wiener selbst. In anrüchige Abgründe der Stadt blickt gar Peter Payer mit seinem Hardcover Der Gestank von Wien.Ein Buch "Über Kanalgase, Totendünste und andere üble Gerüche", so der Untertitel, mag zwar skurril anmuten.Doch erzählt wird schlicht von allen Umweltproblemen im alten Wien, wie etwa von den Schwierigkeiten der Abwasser- und Abfallbeseitigung. Payers Beschreibung der Stadt im 19.Jahrhundert weckt beim Leser Assoziationen mit heutigen Lebensverhältnissen in den armen Ländern.Weil es keine Müllabfuhr gab, wurde der Abfall auf die Straße gekippt ungeklärte Abwässer machten die zahlreichen Bäche und Flüsse, die damals die Stadt noch überirdisch durchzogen, zu stinkenden Kloaken Epidemien wie die Cholera grassierten.Als dann öffentliche Müllhalden eingerichtet wurden, lebten Hunderte von Menschen davon, die Abfälle nach Verwertbarem zu durchwühlen - auch noch zu Beginn des 20.Jahrhunderts. Mit dem Bau der Kanalisation vollbrachte Wien zwar, noch vor Paris, London und Berlin, eine Pionierleistung.Doch bis weit in dieses Jahrhundert hinein bevölkerten Obdachlose die unterirdischen Abwasserkanäle und riskierten dabei ihre Gesundheit.Inzwischen haben sich die Verhältnisse allerdings geändert. Der Filmklassiker "Der dritte Mann" mit Orson Wells hat der Wiener Kanalisation Weltruhm verschafft.Und sie zur Touristenattraktion gemacht: Der Abstieg in das unterirdische Wien ist ein Dauerbrenner bei den geführten Stadtspaziergängen. Ganz so abseitig, wie es im ersten Moment scheinen mag, ist Payers Thema also nicht.Sein Buch, das zahlreiche historische Photos und Illustrationen bebildern, bietet anschaulich erzählte Stadtgeschichte aus einer Perspektive, die in vielen Teilen der Welt heute noch brandaktuell ist. Werner T.Bauer: Die Wiener Märkte 100 Märkte, von Naschmarkt bis Flohmarkt.Mit einer umfassenden Geschichte des Marktwesens in Wien Falter Verlag, Wien 1996 296 S., 48,- DM Renate Banik-Schweitzer u. a.(Hrsg.): Wien wirklich Der Stadtführer Verlag für Gesellschaftskritik, Wien 1996 384 S., 47,80 DM Peter Payer: Der Gestank von Wien Über Kanalgase, Totendünste und andere üble Gerüche Döcker Verlag, Wien 1997 208 S., 39,90 DM