Üble Scherze halten die Bremer Notrufzentrale Tag und Nacht auf Trab. Pro Schicht nimmt man dort etwa zwanzig leere Drohungen entgegen, die zumeist mit dem Ansinnen verbunden sind, man möge sofort etwas tun, und zwar das Richtige. Im Juli 1996 war es der Anruf: "Um 21.45 Uhr geht eine Bombe im Hauptbahnhof hoch." Darauf folgte ein Großeinsatz des Bundesgrenzschutzes, obwohl der wachhabende Polizist Jürgen D. sofort vermutete, da sei mal wieder ein "Spinner" in der Leitung gewesen.

Die Beamten drängten alle Reisenden aus Bahnhofshalle und Gepäckabfertigung und warteten in sicherer Deckung ab, bis der angekündigte Explosionszeitpunkt verstrichen war. Keine Detonation. Die Suche nach einer Bombe ergab natürlich nichts, doch immerhin konnte der Anruf zu einer Handy-Nummer zurückverfolgt werden.

Das Gesetz sieht für solche Späßchen eine Strafe von bis zu drei Jahren vor, und deshalb steht nun der Handy-Besitzer vor Gericht. Als Übeltäter dieses "gemeingefährlichen Verbrechens" möchte der 41jährige aber nicht gelten: "Ich sag' nur, so einen Mist mache ich nicht."

Am Tag des angekündigten Attentats hat Erwin J. eine Geburtstagsfeier im Elternhaus besucht. Sein Handy habe er mitgenommen, um auch auf dem Grillabend erreichbar zu sein. Herr J. will das Gerät im Flur auf dem Telephonbänkchen abgelegt haben. "Da hock' ich ja nicht den ganzen Tag drauf", sagt er. Im Flur jedenfalls müsse das High-Tech-Spielzeug in unberufene Hände geraten sein, kombiniert der Beschuldigte. Jeder Gast habe es sich schnappen und auf dem Örtchen ungestört telephonieren können: "Das kriegt doch keiner mit!"

Auf der Feier seien alle seine vier Brüder gewesen sowie deren Frauen, Verwandte und Bekannte: "Ein Kommen und Gehen!" Auf seine Nachfrage hin hätten schon alle erklärt, sie seien es nicht gewesen. Die Frage des Gerichtes, ob in seiner Familie jemand "aus der Art geschlagen" sei, kontert der Schlossereihelfer mit einem "Wie meinen Sie denn das?". Joviales Nachsetzen - "Das kommt ja in den besten Familien vor" - nützt nichts.

Von nun an mauert Erwin J. Es zeigt sich schnell, daß er dem psychologischen Geschick der Bremer Juristen allemal gewachsen ist. Vermutungen, irgend jemand aus der Sippschaft müsse doch "mal Ärger" mit der Polizei gehabt haben, quittiert Herr J. mit: "Keine Ahnung, das weiß die Polizei bestimmt besser."

Allmählich ahnen Richter und Staatsanwalt: "Hier kommt ja doch nichts bei raus." Ohne Beweis kein Urteil. Niemand muß sein Telephon ununterbrochen bewachen. Und da Erwin J. weder vorbestraft noch als irregeleiteter Spaßvogel einschlägig bekannt ist, wird das Verfahren eingestellt.