JerusalemMadeleine Albright plant ihren ersten Auftritt im Nahen Osten. Seit Monaten ist der Friedensprozeß blockiert, und mit jedem Tag steigt die Spannung zwischen Israelis und Palästinensern. Sie wolle keinesfalls Selbstmordattentäter und Bulldozer moralisch miteinander vergleichen, sagte die amerikanische Außenministerin unlängst. Aber unnötige und einseitige Handlungen dürften das gegenseitige Vertrauen nicht weiter zerstören.

Die Botschaft war an den israelischen Regierungschef adressiert. Gibt es eine Chance, daß Benjamin "Bibi" Netanjahu seine bisherige Siedlungspolitik aufgibt und den Friedensprozeß wieder aufnimmt, weil Amerika darauf drängt?

Washington hat in der Vergangenheit oft versucht, mit mehr oder minder sanftem Druck die Politik der israelischen Regierung zu ändern. Doch in den seltensten Fällen waren die amerikanischen Bemühungen wirklich erfolgreich.

Israel lenkte nur ein, wenn es begriff, daß die Aufrechterhaltung des Status quo für seine Existenz bedrohlicher war als ein politischer Kurswechsel. So kam es auch zur Unterzeichnung des Camp-David-Abkommens. Nach dem fast verlorenen Jom-Kippur-Krieg 1973 stand Israel mit dem Rücken zur Wand. Es konnte damals unmöglich die Verteidigung seiner Grenzen von den Golanhöhen bis zum Suezkanal garantieren und zeigte sich kompromißbereit: Ausgerechnet Regierungschef Menachim Begin räumte den Sinai.

Auch das Osloer Abkommen war letztlich aus ureigenem israelischem Interesse zustande gekommen. Nach sieben Jahren Intifada registrierten die Israelis mit Sorge die zunehmende Brutalisierung der eigenen Gesellschaft. In der andauernden Besatzung sah man eine Bedrohung für die eigene Demokratie und Demographie zugleich sank die Motivation in der Armee. Diese Entwicklung, dachten viele Israelis, höhlte das Fundament ihrer Stärke aus.

Die Terroranschläge vom vergangenen Frühjahr stellten zwar keine Existenzbedrohung für den jüdischen Staat dar, doch symbolisierten sie die zukünftigen Gefahren des Friedensprozesses. Die Vorstellung von einer Teilung Jerusalems, von der Räumung des Jordantals, von der Entstehung eines Palästinenserstaats bewirkte die Wiederbelebung tiefsitzender - wenn auch nicht unbedingt rationaler - Vernichtungsängste. Das Festhalten am Osloer Prozeß schien bedrohlicher als das Festhalten am Status quo, den Regierungschef Netanjahu ohnehin am liebsten dauerhaft beibehalten würde.

Deshalb baut er weiter Siedlungen: Die Erfüllung der palästinensischen Forderungen soll unmöglich werden.