Daß die Reichen immer reicher werden, ist beunruhigend genug. Doch auch unsereins muß erfahren, daß Besitz ganz ungemein belastet, grundsätzlich.

Eine Einsicht, die sich gerade in diesen einbruchsgefährdeten Sommerwochen aufdrängt. Und ihre Opfer fordert.

Tarnen. Und täuschen! Im Lauf der Evolution haben wir gelernt, unserem Bedürfnis nach Sicherheit so ziemlich jeden Gefallen zu tun. Verläßt du die Höhle, sorge dafür, daß kein Eindringling dort Beute macht. Fabelhafte Geschäftsidee im übrigen: Schon preisen Kataloge das entsprechende Hilfsmittel an eine griechische Säule, Gips vermutlich und vordergründig als Bücherstütze beschäftigt, bietet den Wertgegenständen des Besitz- und Bildungsbürgertums ein sicheres Versteck - "an einem Ort, wo sie niemand vermutet: Secret Column hütet Ihr Geheimnis vor ungebetenen Gästen".

Ihr Geheimnis? Nun ja. Frage nur, wie lange noch. Der massenhafte Erfolg dieser Idee bedeutet ihren sicheren Tod: Säulen in Tausenden von Wohnzimmern - und die ungebetenen Gäste wissen gleich, wo sich bestimmt etwas findet.

So also funktioniert es nicht. Gar nicht schlimm. Die Phantasie kennt ja keine Grenzen. Der Schmuck, in Plastik verschweißt, in der Tiefkühltruhe versenkt. Das Sparbuch in die Gardine eingenäht. Scheckbuch zwischen die Saiten des Klaviers geklemmt, Bargeld tief hinein ins Lexikon, Band Nür-Org.

Die zierlichen Mokkalöffel in den verwitterten Terrakottatopf, das Aquarell zwischen die Bettwäsche und Großvaters Taschenuhr ins Mehl. "Jawohl! Das findet keiner." Und tschüs!

Drei Wochen später. Heimkehrer-Blues nennt sich die Gewißheit, daß die Luft nicht so leicht und das Leben nicht so schwebend bleiben werden, wie wir es eben noch glauben durften. Wie nicht anders zu erwarten, schicken wir uns ins Unvermeidliche. Schütteln den Sand aus dem Koffer, öffnen die Rechnungen, vertrauen der Waschmaschine drei Fuhren sonnenmilchgetränkter Leibwäsche an.