Nur kein Streit um Standards: Jeder in der Unterhaltungselektronik weiß, daß die Konsumenten neue Produkte in den Regalen schmoren lassen, solange sich die Industrie nicht auf eine bestimmte Technik einigt. Kurz vor der Funkausstellung beschert sich die Branche nun wieder einen Systemstreit - und das im Zusammenhang mit ihrer wichtigsten Innovation.

Digital Versatile Disc (DVD) heißt der vermeintliche Renner des diesjährigen Weihnachtsgeschäfts - eine hochmoderne Speicherplatte für Filme, Musik und Computerprogramme. Das Abspielgerät wird zunächst rund 1500 Mark kosten. Für schnelle Verbreitung soll eine weltweite Allianz von Geräteherstellern und Hollywood-Studios sorgen, die sich vor Jahresfrist auf einen Standard für DVD-Spieler geeinigt hatte. Um die richtige Technik für den DVD-Recorder der Zukunft, der die Programme nicht nur abspielen, sondern auch aufzeichnen kann, streiten die Kontrahenten heute noch. Auf lange Sicht ist dieses Produkt aber nichts anderes als der Nachfolger des Videorecorders - und damit möglicherweise der Hit, auf den die Industrie seit Jahren sehnsüchtig wartet.

Die Elektronikriesen Sony und Philips indes wollen die Lösung der großen Koalition ebenso wenig mittragen wie der Computerkonzern NEC und daher ein eigenes Format anbieten. Sie begründen ihre Drohung zwar damit, daß die eigene Technik billiger herzustellen ist und dem Nutzer mehr Möglichkeiten bietet. Aber hinter den Kulissen kämpfen die Hersteller auch darum, wie die Lizenzgebühren an der Innovation verteilt werden: Je mehr Patente der Firmen aus Japan und Holland im Standard vertreten sind, desto mehr können sie künftig kassieren. Der Plan, die ersten Recorder in Japan schon zum Jahreswechsel in die Wohnzimmer zu stellen, gerät immer mehr zur Illusion.

Daß der nun publik gewordene Zank um den Recorder den Verkauf aller DVD-Geräte gefährdet, ist innerhalb der Branche keine Frage. Zu sensibel sind die Konsumenten geworden, seit sie reihenweise auf die falsche Technik setzten, als die ersten Videorecorder aufkamen. Und in den vergangenen Jahren saßen einige noch der Mini-Disc von Sony und dem digitalen Kassettenrecorder von Philips auf - zwei Tonträgern, die sich am Markt nicht durchsetzen konnten.

Ein Insider bringt das sensible Thema auf den Punkt: "Der Streit kommt zum unmöglichsten Zeitpunkt."