Sich im Hochsommer des Jahres 1997 bei brütender Mittagshitze die Silvesternacht des Jahres 1999 vorzustellen ist kein einfaches Unterfangen.

Genau das aber wurde verlangt, als kürzlich auf dem berühmten Times Square in New York mit Musik, Champagner und Konfetti das Jahr 2000 eingeläutet wurde.

Natürlich nur auf Probe: Die Veranstalter von Times Square 2000, einer für den 31. Dezember 1999 geplanten 24-Stunden-Party, stellten ihren ersten globalen Sponsor vor - einen Sekthersteller.

Es war ein Ereignis, typisch für New York: laut, despektierlich, mit einem wachen Sinn für eine profitable Mischung aus business und fun. Die Jahrtausendfeier auf dem Times Square wird schon morgens um sieben beginnen, wenn im Südpazifik das Jahr 2000 zum ersten Mal anbricht. Danach sollen auf gigantischen TV-Leinwänden rund um den Platz im Herzen New Yorks pausenlos Bilder vom Beginn des neuen Jahres aus allen Ecken der Erde übertragen werden - so lange, bis auch die letzte Silvesterparty auf dem Globus zu Ende ist.

Gute Geschäfte sind sicher: Die Veranstalter erwarten eine halbe Million Menschen auf dem Times Square und weltweit mindestens 300 Millionen Zuschauer vor den Fernsehschirmen. Ohnehin ist der Platz, an dem sich Broadway, 7.

Avenue und 42. Straße treffen, in den vergangenen Jahren wieder zu einem der wertvollsten Standorte Amerikas geworden. Anfang des vergangenen Jahrzehnts beherrschten noch die Drogenhändler, Prostituierten, Pornoshops und Sextheater die Szene unter dem Lichtermeer von Neonreklamen und Videoschirmen. Heute macht sich breit, was die Amerikaner clean fun nennen: Disney und Warner Brothers, Kinos, Restaurants und CD-Geschäfte.

Früher gab es am Times Square 122 Sexshops, jetzt nur noch 12. Diebstähle, Überfälle und andere kriminelle Akte sind seit 1992 um über vierzig Prozent zurückgegangen. Virgin hat hier den größten Plattenladen der Welt, MTV strahlt Videoclips und Musikshows aus, Claudia Schiffers Beau, David Copperfield, will demnächst ein "magisches" Restaurant eröffnen. Madame Tussaud aus London hat sich mit einem neuen Wachsfigurenkabinett angesagt.