Peter Greenaway ist ein Profi. Als der Reporter in sein Wahrnehmungsfeld gerät - unerwartet und unangemeldet -, gibt er sich unwirsch und kurz angebunden: Nein, Zeit für ein Interview habe er nicht. Die Proben, die Termine - also, schönen Tag noch. Dann scheint ihm jemand mitgeteilt zu haben, daß die ZEIT keine Regionalgazette aus der Salzburger Umgebung ist, und wenig später taucht Greenaway wieder auf mit sorgfältig geknotetem Halstuch und perfekt geschürztem Lächeln. Ein paar Schritte hinunter zum Fluß gefällig? Eine kleine Séance mit Blätterflüstern und Wasserrauschen? Auch ein Gespräch will inszeniert sein. Zeit hat er jetzt genug.

Der Profi: Die erste Frage kann er gerade noch erwarten, dann beginnt ein monologisches Stakkato über 25 Minuten. Der Film ächze und stöhne unter der Last von Erzählung und Psychologie, verlautbart Greenaway er sei überhaupt nicht das große, imaginative Medium geworden, wie man früher einmal gehofft habe. "Ich wurde als Maler ausgebildet. Ich kann die Sprache des Visuellen schätzen und verstehen. Ich kann Bilder und Ideen über die Welt erfinden, ohne mich der Tyrannei des Narrativen zu unterwerfen."

"Casablanca" ist tot, sagt Greenaway noch und zwinkert solidarisch. Das ist das Kino unserer Vorväter, und wir müssen heute ein Äquivalent für unser Erleben im Informationszeitalter finden. Eine fulminante Brandrede. Schade nur, daß sie bis hin zu den Zitaten und Details der Formulierungen schon in zahlreichen früheren Interviews gedruckt vorliegt. So viel Professionalismus, mit kalkulierter Emphase vorgetragen, macht hellhörig.

Peter Greenaway ist vielleicht der letzte Künstler, der noch voll Stolz behauptet: "Ich bin ein Postmoderner." Sein ästhetischer Ansatz, von den frühen Kurzfilmen bis zu seiner letzten Kino-Arbeit "Die Bettlektüre" und den Opern und Ausstellungen der vergangenen Jahre, ist von universalem Skeptizismus geprägt: Zweifel an der Geschichte und an Geschichten, Mißtrauen gegenüber christlichen Erlösungsversprechungen und der Modernität des rezipierenden Subjekts. "Irgendwie sind wir doch alle noch Renaissancemenschen." Greenaway löst sich im Einklang mit der neueren französischen Philosophie von der Idee des Telos, einer zielgerichteten Kunst, die nur auf einen Demiurgen wartet, um ihre Wahrheit zu entfalten.

Statt dessen beschwört und inszeniert er eine Welt der blinden, zufälligen Kräfte. Greenaway, der Neodarwinist: "Ich glaube an das selbstsüchtige Gen.

Damit kann man unsere ganze Politik, Religion und Philosophie erklären."

An die Stelle der Erzählung rückt die Zahlenmagie, die Position der Psychologie wird vom zweckfreien Schönen eingenommen.