GUATEMALA-STADT. - In den vergangenen zehn Jahren sind 173 lateinamerikanische Reporter, Photographen, Kolumnisten und Redakteure ermordet worden. Sie haben nicht über Kriege oder andere brisante Situationen berichtet. Sie taten nur ihre ganz gewöhnliche Arbeit: Sie versuchten, die Wahrheit zu veröffentlichen.

Das besonders Erschreckende an diesen Morden ist, daß so gut wie keiner von ihnen aufgeklärt wurde. Korruption bei den Behörden, Gleichgültigkeit und Drohungen haben ernsthafte Untersuchungen verhindert.

Dieser grausige Rekord war Thema einer Konferenz, die Ende des vergangenen Monats von der interamerikanischen Pressevereinigung in Guatemala-Stadt veranstaltet wurde. Hunderte von Journalisten, Anwälten, Politikern und andere trafen sich, um ein Ende der ungestraften Verbrechen gegen Journalisten zu verlangen. Was dieser Konferenz eine besondere Bedeutung gab, waren die Aussagen über die Opfer. Witwen, Kollegen und andere erzählten über Leben und Tod der Ermordeten.

Jorge Carpio Nicolle, ein führender Redakteur in Guatemala, starb, als dreißig mit Kappen verhüllte Männer seinem Wagen am 3. Juli 1993 auf einer einsamen Landstraße auflauerten. "Sie fragten, ob er Jorge Carpio sei", sagte seine Witwe, Marta Arrivillaga de Carpio. "Dann erschossen sie ihn. Mein Mann fiel in meine Arme."

Frau Carpio, die die Chefredaktion der Zeitung El Gráfico von ihrem Mann übernommen hat, sagte, die Mörder seien immer noch unbekannt. Auch der Polizeioffizier, der die Ermittlungen gegen die Mörder leitete, wurde ermordet, und Beweise wurden vernichtet - all dies geschah zu einer Zeit, als ein Vetter Jorge Carpios Präsident von Guatemala war.

Violeta Chamorro, die ehemalige Präsidentin von Nikaragua, sprach auf der Konferenz über die Ermordung ihres Mannes im Jahr 1978. Pedro Joaquøn Chamorro war ein Redakteur, der sich gegen die Diktatur Somozas aussprach. Er und viele andere, die starben, sagte sie, "hätten ein sicheres Leben führen können - aber sie fühlten sich der Wahrheit verpflichtet".

Viele der Konferenzteilnehmer hatten Erfahrungen erlitten, die so schmerzhaft waren, daß man ihnen kaum zuhören konnte. Beispielsweise erzählte ein argentinischer Redakteur, wie sein zweijähriger Sohn während des schmutzigen Krieges in seinem Lande gekidnappt wurde und daß es seither keine Spur von ihm gibt.