In deutschen Kindergärten liegen die Begabungen brach. Zukunftsminister Jürgen Rüttgers hat dankenswerterweise auf diesen Mißstand hingewiesen. Wie lange noch sollen unsere Fünfjährigen ihre Talente im Sandkasten verplempern, statt sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen? Die deutsche Innovationsschwäche ist in aller Munde. Aber wo Not am Mann ist, wachsen unsere Kleinen bald über sich hinaus. Vielleicht sind gerade sie es, die dem Standort wieder auf die Beine helfen.

Richtig rund geht es bei den Fünfzigjährigen. Joschka Fischer (49) hat jetzt im Spiegel den lang ersehnten "Generationswechsel" für 1998 angekündigt. Denn "ein Generationswechsel bedeutet immer Neuanfang". Alle fiebern. Doch ein Fischer allein macht noch keine Generation und auch keinen Wechsel. Erst mit Gerhard Schröder, der, wie Fischer weiß, "für seine Person und sein Programm die Zustimmung der Öffentlichkeit findet", kann die Sache klappen. Deshalb muß die Frage, ob Schröders Vorstellungen mit denen Fischers kompatibel sind, etwas in den Hintergrund treten. Schon wegen Schröders Naturell: "Wenn die Mehrheit es morgen erfordert, daß er sich zu Kaiser Wilhelm stilisiert, würde er sich einen wunderbaren Zwirbelbart zulegen." So viel Flexibilität und Entschlossenheit traut der Grüne seinem künftigen Kompagnon ohne weiteres zu.

Da wird wohl auch Fischer ein wenig Biegsamkeit zeigen. Spät krümmt sich, was ein Häkchen werden will. Wenn der Generationswechsel es erfordert. Oder?

Tatendurstige Fünfziger gibt es auch in der Union. Volker Rühe zum Beispiel.

Der wandert zur Zeit vierzig bis fünfzig Kilometer am Tag auf Rügen, schafft ansonsten einen 18-Stunden-Job, ist dabei auch noch fröhlich und denkt nach vorne: "Also bei mir ist vom letzten Gefecht nicht die Rede", vertraut er Focus an, "ich werde noch einiges machen." Was genau, das läßt Rühe verständlicherweise offen. Aber daß er mit dem "Pragmatiker" Schröder "gut über fachliche Probleme sprechen und dann auch zu Lösungen kommen" kann, will Rühe schon mal zu Protokoll gegeben haben. Beim Thema Generationswechsel sind offenbar viele Varianten denkbar.