Staus hin, Umweltprobleme her, es muß mal wieder gesagt werden: Das Reisen ist eine wunderbare Angelegenheit. Ferne Länder, exotische Menschen, Palmen, Strände, Pyramiden. Was hat man nicht schon alles gesehen im Verlaufe eines ausgefüllten Touristenlebens. Hunderte Kirchen, Dome und Schlösser besichtigt, zig Museen abgeklappert, meist in der größten Mittagshitze, während der Einheimische klugerweise Siesta hält.

Lehrreiche Zeiten, gewiß, aber auch fürchterlich anstrengend. Und deshalb: Schluß mit der Rumrennerei, von jetzt an wird gefaulenzt. Unter der Palme liegen und massenhaft dicke, schnulzige Romane verschlingen - so buchstabiert man Erholung.

Lesen und Reisen, die absolut perfekte Partnerschaft. Zu dieser Erkenntnis ist, erstaunlicherweise schneller als wir, auch die Deutsche Bahn AG gekommen. Sie überraschte ihre Kundschaft unlängst mit der Herausgabe eines eigenen Druckerzeugnisses namens ice-press, empfohlener Verkaufspreis für vier Seiten ausgewählter, tagesfrischer Weltneuheiten: DM 0,50.

Komfortabel, ohne Zweifel, wenigstens für all jene Informationsjunkies, die des Morgens versäumt haben, sich am Bahnhofskiosk selbst zu versorgen. Wir hingegen ziehen der deprimierenden Wahrheit täglicher Zeitungsmeldungen das vielzitierte gute Buch eindeutig vor. Eine Vorliebe allerdings, die sich unterwegs nur durch das Mitführen eines nicht unerheblichen Teils der heimischen Bibliothek befriedigen läßt.

Nun aber, vermutlich angeregt durch intensive Befragungen von zwei, drei versprengten Literaturfreunden auf dem Perron, hat die Deutsche Bahn schon wieder ein neues Kapitel aufgeschlagen. "Bücher im Zug" nennt sich die Aktion, derzufolge wir künftig auf mitgebrachten Lesestoff verzichten, statt dessen "während der Fahrt Bücher ausleihen" können, und zwar zum Nulltarif.

Zugegeben, im Moment besteht wenig Grund zur Euphorie. Denn man befindet sich bis auf weiteres noch in der Testphase. Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, daher muß unbedingt geklärt werden, ob die gutgemeinte Offerte überhaupt auf entsprechende Begeisterung stößt. Am Ende werden Unsummen für eine wohlsortierte Bibliothek investiert, nicht wahr, und die angepeilte Leserschaft bleibt wie eh und je hinter der Bild-Zeitung hocken.

Ärgerlich so was und vor allem: rausgeschmissenes Geld, welches womöglich über neuerliche Fahrpreiserhöhungen wieder eingetrieben werden müßte.