Der Mythos des Goldes verblaßt.Seit der Afghanistankrise und dem Ölpreisschock, als der Unzenpreis zur Jahreswende 1979/80 auf die Rekordmarke von 850 Dollar schnellte, geht es mit dem Edelmetall bergab - von periodischen Ausschlägen einmal abgesehen. Selbst in Zeiten politischer und ökonomischer Krisen erlebte der glänzende Stoff seither kein Comeback mehr.

Heute kostet eine Feinunze (31,1 Gramm) rund 325 Dollar, so wenig wie seit zwölf Jahren nicht mehr.

Den Anstoß für den jüngsten Preissturz gab die australische Notenbank. Die Währungshüter vom fünften Kontinent kündigten an, fast zwei Drittel ihrer Goldreserven zu verkaufen. Damit setzten die Australier einen Trend fort, der in Europa begonnen hat. Belgien und Holland haben bereits Hunderte von Tonnen auf den Markt geworfen, um einen Teil ihrer Staatsschulden zu tilgen. Andere EU-Länder werden möglicherweise folgen. Auch sie haben Mühe, die strengen Aufnahmebedingungen für die Europäische Währungsunion zu erfüllen. Hinzu kommt, daß die bisher goldfixierten Schweizer ebenfalls einen Abbau ihres Edelmetallschatzes erwägen. Auf diese Weise wollen die Eidgenossen den sogenannten Holocaust-Fonds finanzieren.

Aber nicht nur eine drohende Angebotsschwemme ängstigt die Händler am Goldmarkt. Sorge macht ihnen auch die abnehmende Nachfrage. In den siebziger und achtziger Jahren kauften Anleger Goldbarren, um sich gegen die Inflation zu schützen. Inzwischen ist die Furcht vor drastisch steigenden Preisen geschwunden. Die Teuerungsraten in den führenden Industrienationen sind moderat, und auch in den kommenden Jahren erwartet die Mehrzahl der Experten keine bedrohlichen Inflationsraten. Das Absicherungsmittel Gold hat da seinen Reiz verloren, zumal die Akteure an den internationalen Finanzmärkten heute über weitaus intelligentere Instrumente verfügen.

Als wären das nicht schon Minuspunkte genug, schlägt seit Monaten ein Makel des Goldes besonders zu Buche: seine Zinslosigkeit. Während die Welt einen Aktienboom erlebt und die Börsianer zuletzt gigantische Gewinne einstreichen konnten, schauten die Goldbesitzer in die Röhre. Ein Aktionär in Deutschland konnte in den vergangenen zehn Jahren seinen Einsatz nahezu verdreifachen, das Edelmetall aber verlor in dieser Zeit rund ein Viertel seines Wertes. Ein wahrlich mieses Geschäft.

Manche Goldfans läßt das freilich ziemlich kalt - weniger, weil sie das Metall so fasziniert. Diese eher zwielichtigen Gestalten sind auf der Flucht vor dem Fiskus oder wollen gar Geld waschen. Da nehmen sie schon mal Verluste in Kauf, Hauptsache ihr Tun bleibt unerkannt. Zum Horten von Schwarzgeld scheint Gold daher immer noch glänzend geeignet.