Grzimeks Tierleben beschreibt sie als "sehr große Hühnervögel mit ...

nacktem, rot und blau gefärbtem Kopf und Hals, an dem sich Hautfalten und Warzen befinden". Der Hahn "besitzt außerdem einen aufrichtbaren fleischigen Auswuchs an der Stirn" - mit anderen Worten: nicht gerade ein Glanzstück der Schöpfung. Und auch nicht besonders helle. Obwohl sie sehr gut fliegen können - in freier Wildbahn übernachten sie auf Bäumen - , "entfliehen sie ihren Verfolgern durch Rennen". Schließlich geben sie seltsame Laute von sich: "schnaufende und dumpf dröhnende Rufe" (Grzimeks Tierleben), gepaart mit einem "häufig wiederholten Gobbel-obbel-obbel".

Die 8000 Truthühner und -hähne auf dem Hof von Bauer Peter Vahsen in Hürth bei Köln beherrschen das "Gobbel-obbel-obbel" - im Fachjargon "Kollern" - leider noch nicht. Sie sind erst sechs Wochen alt, noch nicht geschlechtsreif erst nach der Pubertät vermögen Pute und Puter zu kollern.

Neugierig, fast schon aufdringlich, bedrängen sie den Besucher. Das liege an dem roten Hemd, meint Klaus-Peter Linn vom Verband Deutscher Putenerzeuger.

Auf Rot reagierten Puten wie Stiere.

Bauer Vahsen stieg vor sieben Jahren von der Bullen- und Schweinemast auf Puten um. Damals setzte die Pute im Zuge der Fitneß- und Light-Produkt-Welle gerade zu ihrem Höhenflug an. Putenfleisch gilt als leicht, bekömmlich, gesund, ist obendrein preiswert und war noch nie in Skandale verwickelt - ein Image, das nicht mit Geld zu bezahlen ist. Weswegen die deutschen Putenerzeuger auch eine PR-Agentur engagiert haben, diesen hervorragenden Ruf zu hegen. "Das Light-Image", sagt Puten-PR-Berater Norbert Breuer, "konzentriert sich noch zu sehr auf das Brustfleisch." Es soll künftig auch auf andere Teile der Pute ausgedehnt werden, etwa auf die Oberkeule.

Seit Schweinepest und Rinderwahn grassieren, fliegen die Deutschen erst recht auf Pute und Truthahn. Zumal ihnen auch Hühnerfleisch - Stichwort: Salmonellen - nicht mehr geheuer ist. Zwischen 1994 und 1996 stieg der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Putenfleisch von 3,6 auf 4,4 Kilogramm. Aus den sieben Sorten Fleisch eines Puters (Brust, Medaillon, Flügel, Filet, Unter- und Oberkeule sowie den Innereien) fertigen die Schlachtereien Hunderte von Einzelprodukten: Sülze, Frühlingsrolle, Cordon bleu, Weißwürste, Wiener Würstchen, Gulasch, Cevapcici, Frikadelle, Rouladen, Salami, Haxen (!)