Eines haben alle 250 deutschen Jugendverbände gemeinsam: Sie runden gerne ihre Mitgliederzahlen nach oben auf, um bei der Zuteilung staatlicher Gelder gut abzuschneiden.Fünf Millionen Teenager seien in Verbänden organisiert, schätzt der Dachverband Bundesjugendring, doch diese Zahl ist aufgrund von Mehrfachnennungen verfälscht.Unstrittig ist hingegen, daß rund die Hälfte aller organisierten Jugendlichen in Sportvereinen aktiv ist.Der zweitgrößte Dachverband ist die Arbeitsgemeinschaft der Evan gelischen Jugend (aej) mit rund 950 000 Mitgliedern.Bei der katholischen Konkurrenz Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) engagieren sich etwa 500 000 junge Menschen.Die Jugendfeuerwehr kommt auf 100 000, die Jugend des Deutschen Alpenverein s auf rund 90 000 Mitglieder. Die Schätzungen über die Zahl der ehrenamtlichen Verbandsmitglieder gehen weit auseinander.Im letzten Bundesjugendbericht, sieben Jahre alt, ist von rund 600 000 ehrenamtlichen Helfern in Westdeutschland die Rede.Es seien mehr, antwortete die Bundesregierung Ende vergangenen Jahres auf eine große Anfrage im Bundestag.Und stellte zugleich fest, daß die Bereitschaft der Jugend, eine unbezahlte Aufgabe zu übernehmen, geringer sei als bei den Erwachsenen.Eine europaweite Studie zur fre iwilligen Arbeit ("EuroVol-Studie") kommt jedoch zum gegenteiligen Ergebnis: Während sich 1994 rund 18 Prozent der Erwachsenen in Deutschland aus freien Stücken für andere eingesetzt hätten, liege dieser Anteil in der Gruppe der unter 25jährig en bei 23 Prozent. Jugendforscher Thomas Rauschenbach von der Universität Dortmund begründet die statistischen Unstimmigkeiten damit, daß solche Angaben seit jeher Gegenstand einer Beziehungskrise zwischen Trendforschern und Verbänden gewesen seien: Bis Mitte der achtziger Jahre hätten Emnid und andere Forschungsinstitute den Verbänden - vor allem aus Sympathie - stetig steigende Popularität bescheinigt.Ihre Schätzungen über den Organisationsgrad der deutschen Jugend lagen bei bis zu sechzig Prozent.Dann jedoch setzte sich bei den Wissenschaftlern die Ansicht durch, daß solche Quoten weit überhöht seien, und die Verbände revanchierten sich für die Kränkung mit einem Informationsboykott.Gudrun Kreft, Grundlagenreferentin des Bundesjugendrings, w eist die Verantwortung für den Zahlensalat weit von sich: "Die Kommunen haben den Auftrag, eine Jugendhilfestatistik zu führen, doch dem kommen sie nicht ausreichend nach."