Langsam wird es Herbst, die Bauern fahren ihre Ernte ein, und der Prozessorgigant Intel erneuert die Verträge mit seinen Großkunden. So geht es jedes Jahr im September. Nur sieht man heuer vor dem Termin schon kleine Wölkchen aufziehen.

Seit längerem plagt den Marktführer ein Patentstreit mit dem Computerhersteller Digital Equipment (DEC), einem Kunden mittlerer Größenordnung, der jährlich Prozessoren im Wert von rund 50 Millionen Dollar kauft.

Am 12. Mai hatte DEC seinen Lieferanten verklagt: Intel habe mit den neuen Pentium-Prozessoren Patentrechte von DEC verletzt. Wenig später kamen auch andere Prozessorbauer auf diese Idee, etwa die Firma Cyrix. Deren Klage war übrigens so eng an die von DEC angelehnt, daß die Rechtsanwälte von DEC überlegten, ob man nicht Cyrix wegen der Übernahme des Wortlauts verklagen könnte.

Intel saß die Angriffe der Reihe nach ruhig aus. Und schon bald entwickelte sich alles prächtig: Cyrix wurde von dem Halbleiterhersteller National Semiconductor geschluckt, der die Klage umgehend fallenließ. Den Angriff des Konkurrenten AMD parierte Intel mit einer drastischen Preissenkung; AMD war mit seinem neuen Chip K6 auf dem Massenmarkt lästig geworden.

Auch in der lukrativen Oberklasse der Superprozessoren gewann Intel an Boden, denn kürzlich ging die Firma Exponential Technology pleite. Sie hatte einen Zwitter-Chip entwickelt, der zwei verfeindete Systeme in sich vereinigt, den X704. Er paßt wie ein Intel-Prozessor in die Windows-Welt und wie ein PowerPC-Prozessor in die Apple-Welt, indem er beide Befehlssprachen versteht. Bislang waren die zwei Welten so gut wie unvereinbar gewesen.

Nun aber gehen die Rechtsstreitigkeiten in die nächste Runde. Am 12. August schlug Intel zurück und verklagte DEC. Die Frage ist: Warum so spät? Hatten die Rechtsanwälte so lange gebraucht, die 1300 Chip-Patente von Intel auf eine mögliche Verletzung durch Digital Equipment abzuklopfen?

Mitnichten. Ein Blick auf den Kalender läßt andere Gründe vermuten: Am 22. August werden die Patente von Exponential auf einer Auktion versteigert. Unter den Firmen, die nach der ersten Angebotsrunde übriggeblieben sind, finden sich die Streithähne wieder: DEC, Cyrix, AMD und Intel. Die Klage von Intel ist offensichtlich nur ein kleiner Tritt gegen den mitbietenden Konkurrenten.