Das Gespräch, so lesen wir, habe fast eine Stunde gedauert. Ein Telephonat, das Geschichte machte - also gut: zumindest Firmengeschichte. "Hi, Bill", ertönte es aus Boston. - "Hi, Steve", scholl's zurück aus Seattle.

Man kann sich den Umgangston gar nicht lässig genug vorstellen, wenn zwei entspannte Typen wie Steve und Bill transkontinental miteinander feilschen, der Multimillionär mit dem Multimilliardär, beide völlig relaxed. Wenigstens akustisch sind da immer die Jogginglatschen ganz locker auf den Konferenztisch gefläzt, auch wenn's um Firmenbeteiligungen in dreistelliger Dollarmillionenhöhe geht, um Patentnutzungen und Aktienpakete und begrabene Kriegsbeile. Am Handy: die beiden "Titanenjungs der Personalcomputerrevolution", wie Time sie ganz hingerissen nennt, der Microsoft-Häuptling und der Apple-Boss. Hi, Bill! Hi, Steve!

Und irgendwann mitten im schönsten Geschacher fragt Bill Gates plötzlich, was Steve Jobs morgen anziehen wird. Für seinen Auftritt vor der Apple-Gemeinde in Boston. Gute Frage: Was trägt der Boy-Titan, wenn er den Big Deal mit dem Erzrivalen bekanntgibt, dem anderen Boy-Titanen, der in seine Firma einsteigen und sie aus dem Schlamassel ziehen will? "Nur ein weißes Hemd", versichert Steve.

Sind eben Detail-Fanatiker, diese Time-Reporter. Wissen alle entscheidenden Extras. Es ist übrigens eine Reporterin, die uns die Bekleidungseinzelheiten unter PC-Titanen mitteilt, und das ist kein Zufall. Denn Frauen, so erfährt man aus dem New Yorker, verfügen über eine integrative Wahrnehmung, Männer hingegen über eine eliminatorische. Frauen haben ein Auge für Details, die Männer gar nicht wahrnehmen (was sich die Werbepsychologie zunutze macht den Männern verklickert sie die Werbebotschaft, kurz und simpel, den Frauen kommt sie komplex und subtil).

Die Time-Frau weiß also, wie die Computerjungs beim Aushandeln ihres Megadeals ausgesehen haben. Bei den Vorgesprächen sind sie zu zweit durch das Grünland von Palo Alto spaziert, und Steve Jobs ging bloßfüßig. Im Apple-Hauptquartier in Silicon Valley lümmelt Steve gern in zerfledderten Turnschuhen und Shorts am Vorstandstisch. Und bei Pixar, seiner Trickfilmfirma in San Francisco, geht's womöglich noch cooler zu: "Steve trägt immer Shorts. Alle anderen auch."

Schon die Frage des Bill Gates hätte einen stutzig machen können. Die Mitteilung aus der Pixar-Vorstandsetage sorgt für Gewißheit. Unter den Peter Pans der Computerbranche herrscht alternativer Uniformzwang der rigidesten Art, der Zwang zur Zwanglosigkeit. Ungezwungenheit ist die schärfste Verhaltens- und Bekleidungsregel im Reiche von Bill & Steve. Angesagt ist der ewige Kinderspielplatz. Kurzhosigkeit für immer. Bubenshorts verlangt der coole dress code, für den Herrn Vorstandsdirektor wie für "alle anderen auch". Männer über vierzig, für ewig gebannt in das Outfit, in dem man einst in Papas Garage den ersten Apple-Macintosh bastelte. Und wenn der unterlegene Apple-Kaiser seinen Canossagang zum Microsoft-Papst antreten muß, dann geht er bloßfüßig und trägt das weiße Büßerhemd zum Zeichen der Unterwerfung.

Die Verhaltensforscher aus der Werbebranche wissen natürlich längst Bescheid über den Trend zur Nichtmode als Männermode. Nicht nach Distinktion und Differenz verlangt der modeunbewußte Mann, sondern nach Konformität. Weil das Augenmerk für das eigene Outfit als unmännlich gilt, darf es nicht so aussehen, als habe sich der Mann mit Überlegung angezogen. Nicht das Kalkül bestimmt seine Erscheinung, sondern die scheinbare Absichtslosigkeit. Das Kalkül liegt darin, nicht kalkuliert zu wirken und doch, ganz zufällig, dem ungeschriebenen dress code zu entsprechen. Der Anschein der Nichtmode ist Mode. Die "Corporate Dress Codes" bei den Firmenuniformen mögen sich gelockert haben; ersetzt wurden sie in den achtziger Jahren, nicht minder uniform, durch die ubiquitäre Baumwollhose (oder eben durch den Shortszwang in PC-Wunderknabenkreisen). "Männer wollen die Uniform nicht loswerden", resümiert The New Yorker, "Männer wollen nur andere, bessere Uniformen."