Wer wird am besten fertig mit Gewalt, Drogenelend und Vandalismus? Darüber ist wenige Wochen vor der Hamburg-Wahl und ein Jahr vor der Bundestagswahl zwischen den großen Parteien ein Wettbewerb entbrannt. In dieser Woche hat sich sogar Bundesinnenminister Manfred Kanther eingeschaltet und ein "10-Punkte-Programm" zur inneren Sicherheit vorgelegt.

Auch wenn die Kriminalität in Deutschland im vergangenen Jahr insgesamt leicht zurückgegangen ist, zeigt sich ein bedrohlicher Trend: Die Zahl der Gewaltdelikte nimmt zu. Besonders erschreckend daran ist der wachsende Anteil der Jugendlichen unter den Tätern. In Hamburg waren 1996 70 Prozent aller tatverdächtigen Räuber jünger als 21 Jahre. Vor Gewalt fürchten müssen sich vor allem junge Männer. Jugendliche Täter suchen sich überwiegend junge Opfer. Gleichaltrigen wird die Lederjacke "abgezockt", sie werden um Geld erpreßt. Das Problem, dem sich Politik und Gesellschaft also in erster Linie zuwenden müssen, ist die steigende Jugendkriminalität.

Auf diese Herausforderung antworten Politiker im Wahlkampf leider nur mit verbaler Kraftmeierei. Gerhard Schröder, der mögliche Kanzlerkandidat der SPD, verlangt, mehr Polizisten statt Sozialarbeiter auf die Straße zu schicken. Der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Rupert Scholz, fordert höhere Gefängnisstrafen. Und in der bayerischen CSU ruft man nach einer Herabsetzung des Strafmündigkeitsalters von vierzehn auf zwölf Jahre.

Angemessene Reaktionen auf die drängenden Probleme sind das nicht. Die Androhung von Gefängnisstrafen, das lehrt die Erfahrung, hat keine abschreckende Wirkung auf gewaltbereite Jugendliche. Die fürchten allenfalls das Risiko, erwischt zu werden, über die Zeit danach machen sie sich keine Gedanken. Außerdem: Hinter Gittern werden Minderjährige häufig erst recht zu Berufsverbrechern. Eine Studie aus den siebziger Jahren im Auftrag des Bundesjugendministeriums belegte: Über neunzig Prozent der vierzehn- und fünfzehnjährigen Strafgefangenen wurden nach ihrer Entlassung rückfällig mehr als in jeder anderen Altersgruppe.

Haft für junge Menschen kann deshalb nur einen Sinn haben: potentielle Opfer zu schützen. So schwer es liberal gesinnten Jugendrichtern auch fallen mag: Brutale Jugendliche wie jene, die im vergangenen Winter in Hamburg-Neuwiedenthal einen Gleichaltrigen erpreßt und in den Selbstmord getrieben haben, dürfen nicht auf Bewährung freigelassen, sie müssen eingesperrt werden. Die Bürger haben ein Recht auf Sicherheit. Doch dazu brauchen wir keine schärferen Gesetze. Das ist jetzt schon möglich.

Was wäre außerdem nötig als Reaktion auf die Zunahme der Jugendkriminalität?

- Jungen Gesetzesbrechern muß zügig der Prozeß gemacht werden;