Liegt es etwa an fehlender Motivation? Gleich vier Athleten verabschieden sich beim 10 000-Meter-Lauf in Oslo und verlassen vor dem Ziel nacheinander die Bahn. Während das scheinbar lustlose Quartett am Rande der Tartanbahn gemächlich ausläuft, eilt Haile Gebrselassie aus Äthiopien unbeirrt zum Weltrekord. Als er es geschafft hat, bedankt sich der Sieger bei den vieren.

Sie haben ihre Sache gut gemacht. Sie waren die Pacemaker, die Tempomacher.

Ihre Aufgabe war es, das Feld in Gang zu bringen und das Tempo hoch zu halten.

Pacemaker verrichten einen unspektakulären Dienst. Bei der Vielzahl der Rekorde wird kaum Notiz von ihnen genommen. Dabei ist das Leichtathletikgeschäft ohne diese "Hasen" kaum noch denkbar, nur mit ihnen kann die Halbwertzeit internationaler Bestmarken gering gehalten werden.

Bei Olympischen Spielen, bei Welt- und Europameisterschaften haben Hasen nichts zu suchen. Der Internationale Leichtathletikverband (IAAF) untersagt ihren Einsatz, weshalb die Rekordquote bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen mitunter mager ausfällt. Anders ist dies bei den großen internationalen Sportfesten in Zürich, Oslo, Rom, Berlin oder Hengelo, da sind Pacemaker mit von der Partie, da sind sie ganz offizielle Teilnehmer im Starterfeld. Haben sie ihren Job getan, erscheint auf der Anzeigentafel hinter ihrem Namen das Kürzel "ab" - abandon, aufgegeben.

Auf ein halbes Dutzend schätzt der Wattenscheider Weltklasseläufer Rüdiger Stenzel die Zahl der professionellen Hasen. Hinzu kommen etliche Läufer, die selbst durchaus ambitioniert an Leichtathletikfesten teilnehmen und nur hin und wieder den Stars das Tempo vorlegen. So trimmte Stenzel, selbst Hallenvizeweltmeister über 1500 Meter, beim Hallen-Meeting in Stuttgart Haile Gebrselassie auf Weltrekordkurs. Gemeinsam mit seinem Wattenscheider Vereinskollegen, dem Hindernisspezialisten Mark Ostendarp.

Für Stenzel und Ostendarp sind drei, vielleicht vier Rennen im Jahr als Pacemaker die Ausnahme. Andere, wie der Australier Peter Stubbs, sind seit etlichen Jahren im Geschäft und können die Weltrekordrennen kaum noch zählen, bei denen sie im Einsatz waren. Bis zu 3000 Dollar, manchmal auch mehr, bekommen Profis wie Stubbs für ihren Lauf. Begünstigt wird die gute Konjunktur dieser Läufer durch das verbreitete Rekordfieber bei internationalen Sportfesten. Nirgendwo fallen die Bestmarken mit solcher Regelmäßigkeit wie auf der Langstrecke. "Ohne gute Hasen ist einfach kein Rekord mehr zu laufen", bestätigt der niederländische Leichtathletik-Impresario Jos Hermens, Ausrichter des Meetings von Hengelo und zugleich Manager von Haile Gebrselassie.