Mit teils gehörigem Zorn, teils ungehörigem Zynismus wettert die Essayistin gegen die dunklen Mächte des Großkapitals, die klammheimlich die Massen nicht mehr benötigter Arbeitnehmer ins Elend abschieben wollen. Auch die schlimmsten Diktaturphasen der Geschichte hätten die Menschheit weniger gefährdet als der ungehemmte Globalmarkt, mittels dessen die selbsternannten Eliten ihr einziges Lebensziel, den Profit, immer weiter und immer brutaler in die Höhe trieben. Denn erstmals in der Geschichte seien die Machthaber anders als die schlimmsten Despoten vor ihnen - auf das Gros der Menschen nicht mehr angewiesen. Reduziert auf ihren Ertragswert, würden viele Arbeiter "noch unterhalb des Niveaus von Maschinen" angesiedelt.

Viviane Forresters Schlußfolgerung paßt zu ihrer sogenannten Analyse: "Nie zuvor war das Überleben der gesamten Menschheit derart bedroht." Vom vorurteilsfreien Blick auf den Kapitalismus, den die Autorin fordert, fehlt jede Spur. Ständige Wiederholung macht ihre Anklagen gegen anonyme Mächte "schon lange wird versucht, einen Teil des Landes gegen den anderen auszuspielen" - auch nicht besser. Und von der "Ausrottung der Arbeit" sind wir glücklicherweise noch ein gutes Stück entfernt. Auf Vorschläge, wie es denn besser ginge, verzichtet die scharfzüngige Französin ganz. Sich von der Globalisierung zu befreien, wie sie lautstark fordert, ist allenfalls eine wohlfeile Forderung, aber kein Plan.

Gemeinsam mit Managern, Ökonomen und internationalen Organisationen verschleierten die Politiker, daß die Mehrheit der Bürger überflüssig werde, schreibt sie. Den Arbeitslosen flößten sie ein Gefühl der Schuld für die eigene Malaise ein und den Arbeitenden Angst davor, ihren Job zu verlieren. Im Grunde ist das eine Unverschämtheit, aber mit ihrem Rundumschlag trifft die Autorin einen Nerv.

Nur zum Teil liegt das daran, daß grenzenlos gewinnsüchtiges Kapital und die Computervernetzung dem Markt immer neue Wege bahnen. Mindestens soviel hat es, in Frankreich wie in Deutschland, mit schlechter Politik zu tun. Ein Beispiel: Noch als dem letzten die Illusion aufgegangen war, hat die Bundesregierung am Ziel festgehalten, die Arbeitslosigkeit bis zum Jahr 2000 zu halbieren. Oder: Kaum jemand zweifelt daran, daß die Steuersätze zu hoch und die Schlupflöcher im Steuersystem zu groß sind. Doch die Reform verendet als Kadaver für Wahlkämpfer. Oder: Die Alterssicherung droht uns um die Ohren zu fliegen - nicht nur, weil die Menschen älter werden, sondern auch, weil immer weniger Erwerbstätige als dauerhaft abhängig Beschäftigte volle Beiträge zahlen. Doch aus Bonn ertönt die beliebte Floskel, wonach die Rente sicher sei.

Weil die Politik zu oft von gestern ist, wirkt Viviane Forrester mitunter als Prophetin von morgen. Dabei malt sie Feindbilder von vorgestern. Problematisch ist das, weil sie Widerstand fordert, wo Modernisierung gefragt ist, und schonungslose Offenheit vorgibt, wo ihre Vorurteile herrschen.

Viviane Forrester: Der Terror der Ökonomie Paul Zsolnay Verlag, Wien 1997; 216 S., 36,- DM