Streit um den Plutoniumantrieb der Saturnsonde CassiniSeite 2/2

Den Saturn erreicht nur ein Prozent Sonnenstrahlung, verglichen mit den Strahlen, welche die Erde wärmen. Dennoch könne man für diese Bedingungen Solarzellen bauen, sagt Gerhard Strobl von ASE. Nur: Um Cassini mit 745 Watt zu versorgen, bräuchte es Solarsegel von der Größe zweier Tennisplätze. Wenn sich die Konstruktion überhaupt realisieren ließe, führte sie zu einem deutlich höheren Startgewicht. "Cassini läßt sich nicht einfach auf Solarenergie umstricken", glaubt Strobl.

Der Streit ums Plutonium verdeckt das Ziel des Raumflugs. Besonders der Saturnmond Titan verspricht faszinierende Bilder. Die Wissenschaftler vermuten dort Bedingungen, wie sie auf der Erde in ihrer Frühzeit vor viereinhalb Milliarden Jahren geherrscht haben. Die Atmosphäre des Trabanten mit 5000 Kilometern Durchmesser besteht vermutlich wie die irdische zum größten Teil aus Stickstoff. Dazu kommen Methan, Wasserstoff, Argon und Spuren von Kohlenwasserstoffen. Selbst Vorformen von Leben halten Forscher auf Titan für möglich.

Während des Fluges schlummert an Bord von Cassini ein kleineres Raumfahrzeug der Esa namens Huygens, das Dornier Satellitensysteme in Friedrichshafen zusammengeschraubt hat. (Der Holländer Christiaan Huygens entdeckte 1655 Titan und ein Jahr später den Saturnring, der französisch-italienische Astronom Giovanni Domenico Cassini sah 1675 als erster die Teilung des Saturnringes.) Wenn der amerikanische Fünfeinhalbtonner, groß wie ein Schulbus, im Jahr 2004 Saturn erreicht, wird die Sonde der Europäer ausgeklinkt. Das mit Instrumenten vollgestopfte Flugobjekt, das einer fliegenden Untertasse ähnelt, soll dann vier Stunden lang von Fallschirmen gebremst auf Titan hinabschweben und dabei dessen Atmosphäre analysieren. Nach der Landung könnte es noch einige Minuten weiter Meßdaten liefern, hofft Martin Huber. Der Esa-Fachmann weiß jedoch nicht, ob Huygens in einem Methanmeer versinken oder auf Eis zerschellen wird. Möglicherweise ist die Oberfläche von Titan an manchen Stellen flüssig, an anderen fest.

Die Mission Cassini, an der die Wissenschaftler seit acht Jahren arbeiten, ist das letzte große Projekt aus Zeiten, da "kleiner, billiger, besser" noch nicht Doktrin der Nasa war. Sie kostet 3,4 Milliarden Dollar. Mehr als die Hälfte davon ist bereits ausgegeben. So wird die Nasa kaum zugunsten solarbetriebener Sonden verzichten. Das wissen auch ihre Kritiker. Wolfgang Schlupp-Hauck von der Friedens- und Begegnungsstätte Mutlangen etwa oder der Darmstädter Kernphysiker Martin Kalinowski hoffen, die Nasa werde den Start auf das Jahr 2001 verschieben. Dann stünden die Planeten so, daß Cassini ohne den Schwung der Erde auskäme.

So berechtigt die Neugier auf fremde Welten sein mag - der Saturn ist vier Jahre später immer noch da. Kein Grund also, ein solches Risiko einzugehen.

 
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