Stimmt nicht. Der Eisengehalt von frischem Spinat ist mit 2,6 Milligramm auf 100 Gramm eher gering. Wer bei seiner Ernährung Wert auf blutbildendes Eisen legt, der sollte sich eher an Leberwurst (5,9 mg), Schokolade (6,7 mg) und Pistazien (7,3 mg) halten.

Selbst von dem bißchen Eisen, das im Spinat tatsächlich enthalten ist, darf sich der Mensch kaum Nutzen versprechen: "Der Verdauungstrakt kann nicht viel davon aufnehmen", erklärt die amerikanische Ernährungsforscherin Judi Morrill. "Spinat enthält nämlich auch sehr viel Oxalsäure, die das Eisen bindet."

Der Ursprung der Legende liegt in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts. Damals soll ein Lebensmittelanalytiker bei der Untersuchung von Spinat das Komma versehentlich um eine Stelle nach rechts gerückt und dem Gemüse somit den zehnfachen Eisengehalt attestiert haben.

Das jedenfalls behauptet zum Beispiel der englische Krebsspezialist T. J. Hamblin in einem Artikel, der 1982 im angesehenen British Medical Journal erschien - allerdings kann auch Hamblin die Originalquelle nicht angeben.

Ist vielleicht die Geschichte vom Ursprung der Legende selbst eine Legende? Jedenfalls galt Spinat fortan als besonders gesund, zum Leidwesen von Millionen Kindern. Denen hat die grüne Pampe auch nach 1929 nicht besser geschmeckt. In diesem Jahr erfand der Zeichner Elzie Segar die Comicfigur Popeye, dem der Genuß einer Dose Spinat immer zu übermenschlichen Kräften verhalf. Angeblich soll der gezeichnete Seemann den Spinatkonsum in den USA um ein Drittel gesteigert haben - das behauptet jedenfalls die Inschrift auf dem Popeye-Denkmal in der texanischen Spinatmetropole Crystal City.

Im Zweiten Weltkrieg, als das Fleisch selbst in Amerika knapp wurde, appellierte man auch an die erwachsenen Bürger, sich mit dem angeblich so eisenhaltigen Gemüse zu stählen. Die Amerikaner seien, hieß eine der Parolen, "strong to finish 'cos they ate their spinach". Dabei war ausgerechnet im deutschen Feindesland bereits in den dreißiger Jahren der Meßfehler berichtigt worden. "Als Eisenquelle hätte Popeye besser die Dosen verzehrt", lautet Hamblins sarkastisches Fazit.

Sind also Generationen von Kindern sinnlos dazu gezwungen worden, ihren Teller leer zu essen? Auch wenn der hohe Eisengehalt eine Legende ist: Spinat ist durchaus gesund. Er enthält zum Beispiel große Mengen der Vitamine A und C sowie Beta-Karotin, dem eine vorbeugende Wirkung gegen Krebs zugeschrieben wird. Aber bevor es Tränen gibt: Denselben Zweck erfüllen auch andere Gemüsesorten, zum Beispiel Brokkoli.