Zwei frisch promovierte Geologen kommen im September 1935 nach Südwestafrika, forschen im Naukluftgebirge und suchen Wasserstellen für die Farmer. Henno Martin und Hermann Korn lieben die Namib, nach Deutschland zieht sie nichts zurück, und angesichts der heraufziehenden Probleme in Europa werden sie sich einig: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste.

1940 ist es soweit: Den in der ehemaligen deutschen Kolonie lebenden Deutschen droht die Internierung. Martin und Korn packen ihren Lastwagen voll sie kennen durch ihre Expeditionen die Bedingungen dieses so schönen wie harten Landes und wissen, auf was sie sich einlassen. Zwei Jahre lang, von 1940 bis 1942, schlagen sie sich als Jäger und Fallensteller durch, erleiden Hunger und Durst, kämpfen mit der Hitze und der Einsamkeit, erforschen geologische Formationen und diskutieren über Gott und die Welt, schuften und verstecken sich, erproben sich mit mäßigem Erfolg als Gärtner und begreifen durch schmerzhafte Rückschläge allmählich die Gesetze der Jagd.

Dann erkrankt Korn lebensgefährlich an einem Leiden, hervorgerufen durch Vitaminmangel. Sie müssen zurück in die "Zivilisation". Die Gefängnistore schließen sich hinter ihnen.

"Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste" sperrt sich gegen jede Klassifizierung. Es ist ein spannendes Abenteuerbuch, aber auch ein nachdenklich stimmender Exkurs über die Bedingungen des Lebens in Extremsituationen, in denen man heute verdursten und morgen ertrinken kann.

Es ist eine Liebeserklärung an Namibia und seine Landschaft, zugleich eine Warnung vor der Unsentimentalität und unbarmherzigen Konsequenz der Natur. Es schildert die enge Beziehung zwischen Jäger und Beute und bewundert voller Respekt die Fähigkeiten der Tiere, sich der Umwelt anzupassen. Es verrät Humor und Geduld, Selbstironie und wachsende Ehrfurcht vor der Macht des Lebens, ob Tier oder Pflanze, sich unter jeder Bedingung durchzusetzen. Es vermittelt Rezepte für die Herstellung von Rauchfleisch und erklärt klimatische Eigenarten, eines so lebhaft und ernsthaft wie das andere.

Das Buch ist nie langweilig, auch wenn es immer wieder dasselbe Problem beschreibt: Wie überlebe ich? Wie überlebt das Leben? Freilich weiten die Freunde diese Frage aus: Wie haben wir Menschen überlebt, und was heißt das eigentlich - Entwicklung? Sie können zurückkehren in die "Zivilisation" einer Internierung, sie müssen nicht auf der Stufe des Jägers verharren, sie sind Grenzgänger, die deshalb über die Bedingungen ihrer augenblicklichen Existenz reflektieren können. Was sie indes dosieren (müssen). Denn der Kampf gegen Hunger und Wassermangel erfordert viel Kraft. Körperliche und noch mehr seelische. Deswegen ist das Buch auch, so merkwürdig es klingen mag, ein Entwicklungsroman zweier Männer, die schon viel gewußt haben und nun in zwei Jahren vieles begreifen. Das kommt so en passant daher, teils witzig, teils nachdenklich, humorvoll und schlicht erzählt, und immer im besten Sinne des Wortes unterhaltend. Verständlich, daß "der Henno Martin" eine Art Kultbuch der Namibier geworden ist. Und nach dem Autor muß auch der Verlag gelobt werden. Was Bücher sein können, die sauber gedruckt und gebunden und mit Liebe ausgestattet worden sind, nämlich ein ästhetischer Genuß, beweist "Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste".

Henno Martin: Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste Abera Verlag, Hamburg 386 S., 49,90 DM