Stimmt nicht. Viele Sprüche ranken sich um die Verträglichkeit alkoholischer Getränke, und alle sind, wie der Alkohol selbst, mit Vorsicht zu genießen. Der Spruch mit dem Bier und dem Wein ist in anderen Ländern unbekannt. Die Franzosen zum Beispiel haben statt dessen ein Sprichwort, das sich auf das Durcheinandertrinken von Rot- und Weißwein bezieht: "Blanc sur rouge, rien ne bouge - rouge sur blanc, tout fout le camp." Was soviel bedeutet wie: Weiß auf Rot ist gesund für den Magen, während es bei der umgekehrten Reihenfolge zur Rebellion der Innereien kommt.

Wissenschaftlich haltbar sei dies nicht, beteuert Hervé This-Benckhard, ein französischer Wissenschaftler, der durch sein Buch "Rätsel der Kochkunst naturwissenschaftlich erklärt" bekannt geworden ist.

Auch Hans-Joachim Pieper, Professor für Gärungstechnologie an der Universität Hohenheim ("Ich bin der einzige verbeamtete Berufsalkoholiker des Landes Baden-Württemberg"), hält solche Sinnsprüche für "ziemlichen Quatsch". Er hat auch keine Bedenken dagegen, verschiedene Alkoholsorten durcheinanderzutrinken, solange es mäßig geschieht. Generell gelte: Je reiner der Alkohol, um so besser für das Wohlbefinden. Am gesündesten seien Klare wie Wodka oder Doppelkorn. Im übrigen plädiert er ausdrücklich für den Genuß alkoholischer Getränke: "Die Leute im Mittelalter haben schon gewußt, warum sie Wein statt Wasser getrunken haben!" Wein sei nämlich stets frei von schädlichen Keimen.

Ein weiterer professioneller Alkoholexperte, Professor Anton Piendl vom Institut für Brauereitechnologie der TU München, glaubt ein Fünkchen Wahrheit in dem Trinkspruch entdecken zu können: Wenn man zuerst eine größere Menge Bier trinkt, das ja einen erheblich geringeren Alkoholgehalt als Wein hat, schafft man sich eine "Grundlage", ähnlich wie durch eine ausgiebige Mahlzeit. Dadurch trifft der höherprozentige Wein nicht auf einen nüchternen Magen, und der Alkohol gerät langsamer in den Blutkreislauf. Daß umgekehrt Bier auf Wein immer schädlich sei, ist aber sicherlich falsch: Erfahrene Weinfreunde trinken nach einer ausgiebigen Weinprobe gern ein kühles Pils, ohne über besondere Nebenwirkungen zu klagen.

Anmerkungen der Redaktion zur ZEIT-Ausgabe Nr. 44/97:

In der "Stimmt's"-Folge zum Thema "Blumen im Krankenzimmer" schrieb Christoph Drösser: "Blumen sind Pflanzen und ,atmen' nicht wie Tiere und Menschen, die dabei bekanntlich Sauerstoff in Kohlendioxid umwandeln ... Pflanzen wandeln mittels Photosynthese sogar Kohlendioxid in Sauerstoff um." Daraufhin erreichten uns viele empörte Leserbriefe, die zu Recht darauf hinweisen, daß der Autor hier doch ein wenig lax mit den naturwissenschaftlichen Tatsachen umgeht. Also: In der Nacht nützt die Photosynthese den Blumen wenig, weil sie nur bei Licht funktioniert. Und außerdem atmen Blumen sehr wohl: Um aus Traubenzucker lebenswichtige Energie zu gewinnen, wandeln sie ihn in Kohlendioxid und Wasser um. Dazu benötigen sie Sauerstoff aus der Luft. Dieser Verbrauch ist allerdings praktisch zu vernachlässigen. Nach Berechnungen unseres Lesers Carsten Richter aus Berlin verbrauchen selbst hundert Zimmerpflanzen weniger Sauerstoff "als beispielsweise der friedlich neben uns schlummernde Ehepartner". Die Antwort "Stimmt nicht" bleibt also trotzdem richtig.