Christa Jenal gehört zu jenen Lehrern, die ihren Schülern auch außerhalb des Klassenzimmers zuhören: "Meine neue Kassette von ,Volkszorn' ist echt geil!" schwärmte auf dem Flur des Helmholtz-Gymnasiums im pfälzischen Zweibrücken ein Sechzehnjähriger. Die Studienrätin fragte ihn, ob sie sich die "geile Kassette" einmal ausleihen könne. "Klar", antwortete der, "die können Sie sogar behalten."

Beim Anhören war die Lehrerin zunächst angenehm überrascht: "Das war ja richtige Tanzmusik, man konnte sogar mitwippen." Als jedoch Gesang erklang, kam Christa Jenal aus dem Takt. "Raus mit dir, du Türkenschwein", trällerte zur Schnulzenmelodie "Volkszorn"-Sänger Marcus und frohlockte im Refrain: "Doch ein Volk stand auf, geschlossen und fest, bekämpfte die Kanakenpest."

Am nächsten Morgen wollte die Lehrerin von ihrem Schüler wissen, woher er die Kassette hatte. "Er gab mir dann einen photokopierten Katalog mit CDs von über 500 Skinheadbands aus aller Welt, von Australien bis Polen, die man einfach über eine Handynummer bestellen konnte." Die Lehrerin für Englisch und Geschichte machte die Probe.

Nach zwei Tagen lag der gewünschte Tonträger in der Post. Absender: die Firma Rock-O-Rama, Köln, Postfach. Ihr Besitzer: ein gewisser Herbert Egoldt. Wegen Volksverhetzung hat ihn die Studienrätin inzwischen angezeigt.

Den ehemaligen Malermeister Egoldt hat die New York Times als "weltweit größten Produzenten" von Skin-Musik bezeichnet. Dabei schien Egoldts Verlegerkarriere vor drei Jahren beendet zu sein. Die Polizei hatte damals seine Geschäftsräume durchsucht und 30 000 Platten, CDs und Kassetten beschlagnahmt.

"Doch staatliche Verfolgungsmaßnahmen haben nicht eine Verkleinerung dieses Marktes bewirkt, sondern einen Professionalisierungsschub ausgelöst", schreibt Klaus Farin, Autor des im Christoph Links Verlag erschienenen Buches "Die Skins - Mythos und Realität". Firmen wie Rock-O-Rama würden nun die Herstellungs- und Produktionswege ihrer braunen Ware verschleiern. Nach Farins Informationen läßt Egoldt die Matrizen seiner CDs bei Disc & Cassette Manufactures AB in Schweden produzieren. Die Vervielfältigung erfolge dann in Belgien, und die Hüllen würden wiederum anderswo hergestellt. Weder Herbert Egoldt noch seine Firma Rock-O-Rama träten dabei in Erscheinung. Als Auftraggeber fungiere eine M. Records GmbH in Neunkirchen-Seelscheid bei Köln.

Mittlerweile gibt es nach Erkenntnissen des Verfassungsschutzes in Deutschland über zwanzig Verlage wie Rock-O-Rama. Einer der bekanntesten ist die Kölner Tonträgerproduktion des rechtsextremen Manfred Rouhs. Der 31jährige Funktionär der Deutschen Liga für Volk und Heimat will mit Musik den Nachwuchs ins rechte Lager locken.