Die alte Geschichte von David und Goliath, jenes biblische Klischee vom unerwarteten Ausgang, erlebt seit geraumer Zeit mal wieder ein Remake. Der Kampfplatz liegt in Europa. Kombattanten sind die gigantische Filmwirtschaft Amerikas und eine tapfere Brüsseler Defensivstreitmacht. Sie heißt Media und ist, 1987, zusammengestellt worden, um "gegen ökonomische und kulturelle Zersplitterung in Europa" anzutreten. Die Zersplitterung der Filmbranche, notabene.

Wie das? Schon Ende der siebziger Jahre waren amerikanische Filme am deutschen Verleihumsatz mit mehr als fünfzig Prozent beteiligt. Englische, französische und italienische Filme schafften nicht einmal zehn Prozent. In anderen europäischen Ländern sah es ähnlich aus. Die Alarmglocken begannen zu läuten. Zweierlei fürchteten die Europäer: den Verlust der eigenen Identität und das Verschwinden eines hochprofitablen Wirtschaftsfaktors, den man durchaus nicht dem großen Bruder überlassen wollte, zumal die Geburt des Privatfernsehens einen zusätzlichen Absatzmarkt für Kinofilme und TV-Produktionen versprach.

Im Jahre 1991 endlich wurden die Verteidiger aktiv. Media I wurde aufgelegt, ein Filmförderungsprogramm mit einem Fünfjahresetat von 437 Millionen Mark. Zu diesem Zeitpunkt war der Anteil amerikanischer Filme auf über achtzig Prozent geklettert, während sich Engländer, Franzosen und Italiener nur noch wenig mehr als fünf Prozent am Verleihumsatz in Deutschland teilten.

Jedes Land bekam Informationsbüros, Media Desks und Media Antennen genannt. Neunzehn Förderprojekte, oft vielfach unterteilt, wurden aus der Taufe gehoben. Sie erhielten so klangvolle Namen wie Babel oder Greco, Abkürzungen für Broadcasting Across the Barriers of European Language und Groupement Européen pour la Circulation des OEuvres. 87,4 Millionen Mark standen nun also jährlich für jene neunzehn Projekte in achtzehn Mitgliedsländern zur Verfügung. Nicht viel im Vergleich zu Hollywood-Budgets. Und doch: Eine Studie des Wirtschaftsberaters Roland Berger bescheinigte etwa dem European Film Distribution Office, kurz efdo, ansehnliche Rückflüsse. Insgesamt aber blieben die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurück. Die Amerikaner erreichten 1995 einen Anteil von 87,1 Prozent am deutschen Verleihumsatz, englische, französische und italienische Filme verloren weiteres Terrain. Die Filmförderung zog von Hamburg nach Brüssel um und ging in die zweite Runde.

Ein neuer Name, Media II; ein neuer Fünfjahresplan; ein neues Motto: "Für eine wettbewerbsfähige europäische Film- und Fernsehindustrie bis zum Jahr 2000". Ein aufgestockter Etat in Höhe von 589 Millionen Mark, zentrale Organisation und die Beschränkung auf ursprünglich drei Förderbereiche sollen das Werk zum Erfolg führen. Ausbildung, Entwicklung von Produktionsprojekten, länderübergreifender Kino-, TV- und Video-Vertrieb, industrial platforms sowie Kinonetzwerke - da waren's dann bald fünf. Eine Ebene darunter tummeln sich weitere Programme, allein 32 verschiedene Ausbildungsprojekte. Einzelheiten darüber müssen auch die Mitarbeiter der Media Desks oft recherchieren.

Wer Geld will, muß natürlich Anträge ausfüllen. Und diese Arbeit "beschäftigt ein paar Leute wohl drei Tage", wie die Mitarbeiterin einer Produktionsfirma klagend erzählt; aber: Niemand nenne ihren Namen, "sonst krieg' ich hier Ärger". Überdies müssen brisante Interna ausgebreitet werden. Die Informationen, die verlangt werden, "gehen fast weiter als eine Schufa-Auskunft", meint Emma Klopf vom Verleih Prokino, der es wie ihren Kollegen gar nicht gefällt, daß die europäischen Partner ebenfalls Einblick in die Bilanzen erhalten.

Der finanzielle Aufwand, den die Förderer für Verwaltung treiben, ist zwar gesunken und hält sich mit rund fünfzehn Prozent in gesunden Grenzen. Aber er könnte noch weiter schrumpfen, wie das Beispiel European Script Fund zeigt. Dieser Verein drückte seine Verwaltungskosten im zweiten Durchgang von zwanzig auf sieben Prozent.