Und die Zentralisierung der Verwaltung hat die Abläufe auch nicht einfacher gemacht. Jeder Antrag muß heute erst einmal nach Brüssel geschickt werden. Mit einem Eingangsstempel versehen, geht er an Verwaltungsbüros in den einzelnen Ländern, wo Experten eine Vorauswahl treffen, die sie dann an ein von der Europäischen Kommission einberufenes Expertengremium in Brüssel zurückschicken. Dort wird entschieden. Die Wartezeiten sind entsprechend: Nach drei Monaten kommt der Bescheid, nach acht Monaten das Geld. Wenn es denn kommt. Von struktureller Entschlackung kann also nur bedingt die Rede sein. Wie steht es mit den Inhalten?

Die größten Summen fließen nach wie vor in den Vertrieb, knapp 266 Millionen Mark für Kino, Video und Fernsehen. Bei steigenden Produktionsbudgets brauchen die Filme größere Absatzmärkte, müssen die nationalen Grenzen überwinden. Von 700 Filmen, die zwischen 1993 und 1995 produziert wurden, liefen aber nur 83 in mindestens fünf anderen Ländern. Dennoch unterstellt die Kommission, daß es einen europäischen Filmmarkt für europäische Filme gebe - wie für die amerikanischen. Nur: Der Sprachwitz der Komödie "Les visiteurs", in Frankreich ein Blockbuster (auf altdeutsch: Straßenfeger), kam in Deutschland genausowenig an, wie hiesige Beziehungskomödien in Frankreich reüssieren. Offenbar werden in Europa doch mehrere Filmsprachen gesprochen.

Außerdem hatten viele Kinos und Kleinverleiher wenig von der Vertriebsförderung, trotz vielfältiger Hilfen wie Zusatzkopien. Selbst die Europäische Kommission gesteht in einer Analyse vom November 1996 ein, daß unabhängige Verleiher "manchmal nicht in der Lage sind, Kinos zu finden, die ihre Filme spielen. Der europäische Verleih-Markt ist von den großen amerikanischen Studios beherrscht." Die Kinos können es sich eben nicht leisten, für einen europäischen Film einen "sicheren" Amerikaner rauszuwerfen.

Die Besucherzahlen bestätigen das: Der Marktanteil der Verleih-Einnahmen, den europäische Filme erwirtschafteten, erreichte 1995 nur knapp die Hälfte der Quote der verliehenen Filme selbst. Von den genannten 700 Filmen hatten nur 21 mehr als eine Million Zuschauer, aber 487 weniger als 50 000 außerhalb ihres Ursprungslandes. Hier liegt das Betätigungsfeld der Organisation Europa Cinémas, die jenen Lichtspielhäusern einen Zuschuß von 39 000 Mark zukommen läßt, die zu mehr als fünfzig Prozent im Jahr europäische Filme zeigen.

Eine neue und erfolgreiche Idee von Media II ist die automatische Förderung. Für jede verkaufte Eintrittskarte bekommt der Verleih 57 Pfennig, in kleineren Ländern etwas mehr. Einzige Bedingung: Reinvestition der Summe in einen anderen Film.

Nichts Neues dagegen beim Fernsehvertrieb: Seit Jahren nun heißt der Chef Robert Straßer. 1996 konnte er achtzehn Millionen Mark ausgeben. Doch wie er das tut, darüber könnte man ins Grübeln kommen - allein die französischen Antragsteller wurden mit fast vierzig Prozent bedacht.

Warum Frankreich so üppig ausgestattet wird, darüber kann man wirklich nur spekulieren. "Wie viele französische und Brüsseler Interessen da eingreifen, können wir nie erfahren", sagt Nikola Mirza, neuer Geschäftsführer des Media Desks Hamburg. Nach Deutschland flossen derweil gerade mal fünfzehn Prozent der Summe, die für die Förderung von TV-Ausstrahlung und -Weltvertrieb zur Verfügung steht. Aber "deutsche Fernsehproduktionen wären auch ohne Media in die Situation gekommen, in der sie jetzt sind; die Branche boomt", gesteht Christoph Holch vom ZDF. Durch die vielen Privatsender ist Deutschland gegenüber anderen europäischen Ländern im Vorteil.