Vangkong. Hongcouver. Die Kanadier zeigen Phantasie, wenn sie die Veränderungen ihrer Westküstenmetropole in Worte fassen wollen. In den vergangenen Jahren sind 400 000 Menschen zugewandert, die meisten aus Hongkong. Fast alle brachten Geld mit, viel Geld, und wurden so zu Botschaftern des pazifischen Wunders. Stolz nennt sich Vancouver "die asiatischste Stadt Kanadas".

Der Tagungsort, das Trade and Convention Center, liegt wie angetäut an Land.

In Sichtweite der Hafen, der symbolisch für Kanadas neue Orientierung steht: Der Handel über den Pazifik hat den über den Atlantik inzwischen übertroffen.

Beziehungsreicher konnte die Kulisse nicht sein, um die Erfolgsstory des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) auch in diesem Jahr fortzuschreiben. Doch das Treffen der achtzehn Wirtschaftsführer wird als Gipfel der Verunsicherung in die Geschichte eingehen.

Denn es interessiert nur ein Thema: die asiatische Krise. Die anhaltenden Währungsturbulenzen in Fernost hatten die Stimmung der Apec-Teilnehmer seit Monaten getrübt. Als aber, mitten in die letzten Vorbereitungen hinein, die Nachricht platzte, daß nach Thailand und Indonesien auch Korea um einen IWF-Kredit bitten muß, war jedes andere Thema gestorben.

Wie zur Bestätigung ereilte die Wirtschaftsführer am Tag ihrer Anreise auch noch die Kunde vom Zusammenbruch des japanischen Geldhauses Yamaichi Securities - die verheerendste Firmenpleite in der Geschichte Japans. "Shaky Asia, new shivers", lautete der Titel der New York Times. Das durchgeschüttelte Asien zittert erneut.

Eine völlig neue Tonlage. Als sich die Außen- und Handelsminister der pazifischen Anrainerstaaten 1989 zum ersten Mal trafen, schien der asiatische Boom unaufhaltsam. Bill Clinton regte gleich nach seinem Amtsantritt an, daß das Zusammenrücken Amerikas mit den Märkten der Zukunft nur noch auf höchster Ebene verhandelt werden soll: Seit 1993 reisen die Staats- und Regierungschefs der achtzehn Mitgliedsstaaten persönlich an.