Bis heute wird versucht, Taten und Täter zu anonymisieren. Ein Beispiel: Die Anatomie der Reichsuniversität Straßburg benutzte von 1942 an Häftlinge des elsässischen KZs Natzweiler zu tödlichen Giftgasversuchen (Lost).

Weltbekannt wurden die Bilder einer weiteren Versuchsreihe: nackte jüdische Frauen und Männer, die zur Zeit der Befreiung Straßburgs, konserviert in großen Bottichen, gefunden wurden. Sie waren ermordet worden, als medizinische Ausstellungsstücke, Exponate einer Juden-Sammlung.

In einem staatlichen Archiv bekomme ich 1996 eine Verpflichtung vorgelegt: "Die Benutzungsgenehmigung wird mit der Maßgabe erteilt, daß bei der Veröffentlichung ... die Namen sämtlicher dort genannten Personen anonymisiert werden und auch sonstige Angaben unterbleiben, die deren Identifizierung ermöglichen könnten. Von dieser Auflage ausgenommen ist Prof. Dr. August Hirt als Person der Zeitgeschichte."

Der Anatom August Hirt, Urheber der Straßburger Menschenversuche, hatte sich 1945 selbst gerichtet, nämlich erschossen.

Nicht nennen darf ich dagegen:

Hirts Assistenten Anton Kiesselbach, beteiligt an den Giftgasversuchen, nach 1945 Ordinarius an der Medizinischen Akademie Düsseldorf.

Professor Eugen Haagen, der im Auftrag der Luftwaffe, finanziert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Häftlinge des KZs Natzweiler wie Meerschweinchen zu Fleckfieberversuchen verbrauchte. Haagen kam später bei der Bundesforschungsanstalt für Viruskrankheiten der Tiere unter, erneut von der DFG gefördert.