Mit dem Sicherungsschein sind Urlauber vor materiellen Schäden geschützt, wenn ihr Veranstalter pleite geht. Doch manche Firmen setzen auf die Unwissenheit ihrer Kunden und verteilen wertlose Photokopien - oder gar keinen Sicherungsschein.

Wer eine Pauschalreise bucht, hat bei der ersten Anzahlung einen gesetzlichen Anspruch auf den Sicherungsschein. Mit diesem Zertifikat - ausgestellt von Versicherungsgesellschaften wie dem Deutschen Reisepreis-Sicherungsverein (DRS) oder von TourVers - weist der Veranstalter nach, daß er die Kundengelder gegen seinen Konkurs versichert hat.

Jetzt warnen die Versicherer und Touristikexperten davor, daß die Zahl der schwarzen Schafe sprunghaft ansteigen könnte: Denn vor allem kleinere Veranstalter werden von den Assekuranzunternehmen immer häufiger abgewiesen.

Denn die Bonitätsprüfungen sind schärfer geworden, seit mehrere Firmenzusammenbrüche - vor allem die Pleite von Hetzel-Reisen im Sommer 1996 - die Kundengeldabsicherung in die roten Zahlen gebracht hat.

"Seriöse Veranstalter, die keinen Versicherer finden, müßten ihr Geschäft eigentlich aufgeben", sagt Claudia Hopfensberger vom DRS. Doch in der Branche ist es ein offenes Geheimnis, daß manche Firmen dennoch weiter Reisen verkaufen und auf die Ahnungslosigkeit ihrer Kunden setzen: Bei einer Umfrage wußten 1995 lediglich vier Prozent aller Urlauber von ihrem Anspruch auf einen Sicherungsschein. Wer keinen oder einen gefälschten, photokopierten oder manipulierten Sicherungsschein bekommt, ist bei einer Pleite seines Veranstalters der Dumme. So kündigte der Versicherer TourVers vor einigen Wochen an, daß er mehrere Dutzend Kunden der bankrotten Firma Sonnen Express nicht entschädigen wolle. Obwohl die Firma ihre Kundengelder versichert hatte, hatten einige Urlauber wegen einer Panne bei ihrem Reisebüro keinen Sicherungsschein erhalten.

Sobald Urlauber eine Reise anzahlen, sollten sie nicht nur einen Sicherungsschein verlangen, sondern diesen auch genau prüfen: Ein gültiges Zertifikat muß nach Angaben des Deutschen Reisebüro-Verbandes ein Original sein, den Veranstalternamen enthalten und ein (unmanipuliertes) Datum tragen, das nach dem Ende der gebuchten Reise liegt.

Wer mit der Ausrede konfrontiert wird, die Formulare seien gerade ausgegangen, kann nach Angaben des DRS mit einiger Sicherheit davon ausgehen, daß hier geschummelt wird. Urlauber, die Unregelmäßigkeiten vermuten, sollten vom Reisekauf frühzeitig zurücktreten und gegebenenfalls das örtliche Gewerbeamt einschalten, das für derartige Fälle zuständig ist.