Einst galten sie als gefährdet. Dann schützte man sie. Und nun das: Rabenkrähen und Kolkraben hacken Lämmer und Schafe zu Tode. Gänsesäger und Kormorane verschlingen geschützte Fischarten Biber untergraben Flußufer und Klärwerke. Scharen von Wildgänsen fressen Felder kahl und treiben Bauern in den Ruin.

Die Erfolge des Artenschutzes, so scheint es, schlagen sich als Schäden nieder.

Schon rüsten sich die Geschädigten: Weil Fischer und Angler klagten, die Kormorane drohten gefährdete Arten wie die Äsche auszurotten, wurde in Bayern im vergangenen Winter der Abschuß von 6000 der Fischfresser erlaubt. Bauern jammern, ihre Traktoren würden in die von Bibern gegrabenen Gänge einbrechen, und deshalb fordern sie die Jagd auf die Pelztiere. Die Parole lautet: Der Naturschutz gefährdet die Existenz von Landwirten und Fischern.

Doch an den Schäden, welche durch Tiere entstehen, ist oft genug der Mensch schuld. Das läßt sich am Beispiel der Biber zeigen: Zwar bricht tatsächlich hin und wieder ein Bauer mit seinem Traktor in Bibergänge ein - meist allerdings dicht am Flußufer, wo die Nager graben und kein Traktor hingehört.

Seit Jahren fordern die Wasserwirtschaftsämter einen zehn oder zwanzig Meter breiten Uferstreifen, der unbestellt bleiben sollte, um den Flüssen eine natürliche Rückentwicklung zu ermöglichen. Würden solche Uferstreifen tatsächlich ausgewiesen, dann wäre die Bibergefahr gebannt. Und nebenbei würde die landwirtschaftliche Überproduktion ein wenig sinken.

Anders sieht es aus, wenn ein Biber hartnäckig Klärwerke anbohrt. Dann löst Gerhard Schwab von der Wildbiologischen Gesellschaft München (WGM) das Problem, und zwar bleifrei: Er kascht den Täter und kutschiert ihn nach Kroatien, wo er hochwillkommen ist. Denn dort werden die Staudammbauer derzeit wieder eingebürgert.

Auch Ulrich Lanz vom Landesbund für Vogelschutz in Bayern (LBV) bevorzugt unblutige Lösungen. Er akzeptiert zwar notfalls den Abschuß von Kormoranen, meint aber, die Teichwirte könnten ihre Fische ganz einfach mit Drähten schützen. Bei einer Maschenweite des Drahtnetzes von zehn Metern wird den Kormoranen die Startbahn zu kurz - die Raubvögel lassen das Teichfischen dann lieber. Fünfhundert Mark kostet das Material pro Hektar. Solche Beträge zahlen die Behörden als Ausgleich für einfache Naturschutzmaßnahmen.