Der amerikanische Wirtschaftsguru Alvin Toffler meint schon lange: "Analphabet im Jahre 2000 wird nicht sein, wer nicht lesen und schreiben kann, sondern wer nicht lernen, entlernen und neu lernen kann." Besonders Manager sollten sich diese Botschaft zu Herzen nehmen, denn je schneller sich das Wirtschaftskarussell dreht, desto mehr wird es darauf ankommen, immer wieder umzudenken und unorthodox zu handeln. Zwar haben viele Unternehmen bereits versucht, mit flachen Hierarchien und flexibler Organisation schlagkräftiger zu werden. Doch die Resultate enttäuschen oft, weil neue Strukturen noch lange nicht die Menschen ändern. Und schlimmer noch: Viele Manager klammern sich unter dem Druck des Unbekannten erst recht an eingefahrene Verhaltensmuster.

Wie Mitarbeiter in Unternehmen von überholten Denkroutinen loskommen und alte Erfahrungen "entlernen" können, beschreiben die amerikanischen Management-Trainer Andy Bryner und Dawna Markova. Die Forscher am Organizational Learning Center des Massachussetts Institute of Technology bei Boston beschäftigt seit langem die Frage, warum Menschen in großen Organisationen so schwer von ihren Reaktionsmustern loskommen: der Angst vor dem Versagen, der Tendenz, eher zu reagieren statt zu agieren, der Austragung persönlicher Konflikte nach dem Schema "Kampf oder Flucht".

Warum begegnen wir unerwarteten Schwierigkeiten automatisch mit kraftverschleißender Hektik, statt eine Pause zu machen und Probleme in Ruhe anzugehen? Warum fallen wir in Streßsituationen instinktiv auf Routinelösungen zurück, statt uns mutig auf effiziente, neue Handlungswege einzulassen? Warum vergeuden wir unsere Energie in Alltagskonflikten mit Rechthaberei, statt unsere Kraft positiv für neue Ideen zu nutzen? Nicht das Chaos verbaue uns den Weg, glauben Byrner und Markova, "sondern unser Widerstand gegenüber dem Chaos".

In ihrem Buch versuchen die Autoren mit den Techniken der Psychotherapie das Bewußtsein von Managern für ihre eigenen Handlungsmuster auszuweiten. Sie decken zum einen die psychologischen Hintergründe typischer Entscheidungsvorgänge, Konfliktstrategien und kreativer Prozesse auf. Zum anderen zeigen sie anhand von Übungen, wie man sich von eingefahrenen Reaktionsmustern löst und kreativer agiert. Ihre Rezepte reichen von Atem- und Meditationstechniken bis zum Zettel am Telephon mit einem Zitat von IBM-Gründer Thomas Watson: "Wenn du Erfolg haben willst, verdopple deine Fehlerquote."

Für deutsche Leser ist vielleicht ungewohnt, daß die Management-Trainer unsere typischen Handlungsmuster nicht nur theoretisch aufdecken, sondern mit Anleitungen zu Rollenspielen und Übungen aus der japanischen Kampftechnik Aikido auch physisch erlebbar machen. Damit haben sie in ihren Seminaren in internationalen Konzernen von Chrysler bis Philips regelmäßig den nachhaltigsten Erfolg. Die Erklärung: Erst wenn sich die Versteifungen des Körpers, der "Wetterfahne des Geistes", lockern, kann sich auch das Denken für neue Horizonte öffnen. Manager gewinnen aus den Anleitungen so nicht nur interessante Ideen, sondern auch eine spannende Selbsterfahrung.