Die Laudatio für die Preisträgerin des Friedensnobelpreises, Jody Williams, war in Oslo noch kaum verklungen, da brach ein harter Streit zwischen Norwegen und den Vereinigten Staaten über ebenjene Minen aus, deren Abschaffung die Begründung für die Vergabe des Nobelpreises gewesen ist.

Norwegen ist zusammen mit etwa hundert Staaten dem Internationalen Minenabkommen beigetreten und daher verpflichtet, die Antipersonenminen abzuschaffen. Infolgedessen verlangte die Regierung, daß die US-Minen, die in amerikanischen Depots auf norwegischem Boden lagern, ebenfalls entfernt werden. Dies löste zunächst zornige Kommentare des leicht erregbaren Senators Jesse Helms aus, doch bald folgte mit Sanktionsdrohungen schweren Kalibers das Pentagon.

Verteidigungsminister William Cohen erklärte, Amerika werde sämtliche Waffen - also das gesamte Depot - abziehen, und zwar aus all jenen Ländern, die eine Entfernung der Antipersonenminen zur Bedingung machen. Für viele Länder mag dies belanglos sein, manche werden es vielleicht sogar als Befreiung ansehen.

Auf Norwegen trifft dies nicht zu.

Norwegen ist in seiner Verteidigung absolut angewiesen auf US-Waffen, so daß sich hier eine echte politisch-moralische Interessenkollision abzeichnet, denn Oslo hat sich während der jahrelangen Verhandlungen stets in besonderer Weise für den Bann der Minen engagiert. Die Nato will nicht involviert werden, ihr Oberbefehlshaber, Wesley Clark, erklärte beim Antrittsbesuch in Oslo, dies sei eine bilaterale Angelegenheit zwischen Amerika und Norwegen.

Offenbar befinden wir uns in einer Phase, in der allenthalben, nicht nur in der Türkei, Meinungsverschiedenheiten zu gefährlichen Konflikten werden.