Die spinnen, die Börsianer. Das ist nicht ganz neu. Aber so verrückt waren sie schon lange nicht mehr. Da verdient ein Unternehmen üppig und legt bei den Gewinnen auch noch kräftig zu. Doch der Profitzuwachs fällt ein bißchen niedriger aus, als es die Fachwelt zuvor erwartet hatte. Prompt stürzt der Aktienkurs um fast ein Drittel ab. Konkret: Weil der Gewinnzuwachs der amerikanischen Softwareschmiede Oracle um rund 90 Millionen Mark hinter der Prognose zurückblieb, war das Unternehmen plötzlich 16 Milliarden Mark weniger wert.

Gewiß, ein solcher Amoklauf der Aktionäre ist nicht der Regelfall. Dennoch ist die Welt an den internationalen Börsen nicht mehr in Ordnung. Den Anlegern stehen unruhige Zeiten bevor. Das Extrembeispiel offenbart, wie nervös die Geldjongleure geworden sind. Der Minicrash Ende Oktober war keineswegs das Ende der Turbulenzen. Daß seither die Kurse in Europa und Amerika wieder gestiegen sind - trotz des asiatischen Börsendebakels -, ist kein Widerspruch. Der Fall Oracle zeigt, wie tief die Sparer (rein-)fallen können.