Seit im Mai dieses Jahres bekannt wurde, daß mehrere Arbeiten des Krebsforschers Friedhelm Herrmann auf falschen Daten beruhen, ist die biomedizinische Forschung in Aufregung (siehe ZEIT Nr. 25/97). Der Fall Herrmann entpuppte sich als der größte deutsche Fälschungsskandal. Nach und nach zog er immer mehr Institutionen und Forscher in Mitleidenschaft.

Inzwischen wurden nicht nur in über dreißig Arbeiten von Herrmann und seiner ehemaligen Mitarbeiterin Marion Brach gefälschte Daten entdeckt, sondern auch in zwölf Veröffentlichungen des Freiburger Mediziners Roland Mertelsmann. Der wurde 1994 als erster Deutscher gefeiert, der eine Gentherapie gegen Krebs wagen wollte.

Der Schock saß tief. Plötzlich wurde man sich der Tatsache bewußt, daß auch in der deutschen Wissenschaft gelogen und betrogen wird und Daten zurechtgebogen werden. Besonders peinlich: Friedhelm Herrmann war selbst Mitglied des Senats- und Bewilligungsausschusses der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für Sonderforschungsbereiche. Wenn selbst die Gutachter betrügen, worauf kann man sich dann noch verlassen?

Mehrere Institutionen versuchten in den vergangenen Monaten, das ramponierte Ansehen der Wissenschaft mit wohlklingenden Absichtserklärungen zu retten.

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft etwa will einen "Ehrenkodex für Physiker" vorlegen. Die Max-Planck-Gesellschaft verabschiedete kürzlich eine Verfahrensordnung zum Vorgehen bei wissenschaftlichem Fehlverhalten.

Immerhin. Doch wirklich ernsthaft geht nun die Deutsche Forschungsgemeinschaft zur Sache. Sie legt in dieser Woche "Vorschläge zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis" auf den Tisch, die es in sich haben. Zunächst handelt es sich dabei nur um Empfehlungen einer Kommission, die auf Betreiben von DFG-Präsident Wolfgang Frühwald eingerichtet wurde (siehe auch das Interview auf Seite 35). Sollte der DFG-Senat diese im nächsten Jahr in Kraft setzen - was sehr zu hoffen ist -, so ließen sich erstmals wirksame Maßnahmen gegen Betrüger im Labor ergreifen.

Zunächst mutet der DFG-Text mit seinen allgemeinen Prinzipien guter wissenschaftlicher Arbeit eher akademisch an. Dennoch enthält er brisantes.