DIE ZEIT: Monsieur le Gouverneur, Sie haben jetzt zum letzten Mal die geldpolitischen Ziele der Banque de France erläutert. In einem Jahr wird es bereits um die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) gehen, und dann befürchten viele Experten einen härteren Kurs, weil Europas gemeinsame Notenbank ihre Glaubwürdigkeit erst noch erringen muß.

JEAN-CLAUDE TRICHET: Da bin ich ganz anderer Ansicht. Der Euro wird ja nicht der Durchschnitt der europäischen Währungen sein, sondern er tritt an die Stelle der besten Währungen der Teilnehmerstaaten. Er muß und wird deshalb mindestens so solide sein wie sie. Das ganze Konzept von Maastricht entspricht dem Benchmarking: Man orientiert sich an den besten Vorbildern, nicht am Durchschnitt.

ZEIT: Dennoch hat die EZB als solche noch keine Geschichte, keine Tradition.

TRICHET: Diese These höre ich oft, und ich halte sie für etwas unbegründet.

Die EZB entsteht nicht plötzlich aus dem Nichts. Sie bildet sich aus einer Reihe europäischer Zentralbanken, die alle zum besten Standard hin konvergieren - niedrige Inflation, niedrige langfristige Marktzinsen, stabile Wechselkurse. Und was die Zentralbankpräsidenten angeht: Wir sitzen bereits jetzt jeden Monat im Europäischen Währungsinstitut an einem Tisch zusammen.

Das sind dieselben Verantwortlichen, die sich auch in der Währungsunion zusammenfinden.

ZEIT: Die Europäische Zentralbank wird nicht versucht sein, ihren Ruf durch eine besonders harte Zinspolitik zu festigen?