Lenin meinte: Wer die Kapitalisten vernichten wolle, brauche weder Gewehre noch Guillotinen. Es reiche, ihre Währungen zu zerstören. In dieser Frage stimmte der Ökonom John Maynard Keynes mit dem russischen Revolutionär überein. Welch enorme Folge eine ramponierte Währung haben kann, hat sich in der Geschichte häufig gezeigt. Auch damals, als türkische Frauen den Écu zugrunde richteten und damit einen schweren Konflikt zwischen England, Frankreich und Italien auslösten.

Der Écu sollte das Prunkstück Europas werden. Besonders die kleinste der diversen Écu-Münzen, die louis des sous. Mit ihr wollte das französische Königshaus im 17. Jahrhundert den habsburgischen Taler als führende Silbermünze verdrängen. Weil man sich mit dem kleinen Écu aber sehr viel Mühe gab und extra eine neue Prägetechnik einsetzte, passierte etwas Verhängnisvolles: Die Münze wurde nicht nur schön, sie wurde so schön, daß sie niemand mehr hergeben wollte. In der Türkei brach eine regelrechte Écu-Manie aus. Alle Frauen wollten dort nur noch Ohrringe, Ketten und Armbänder aus aufgereihten Écu-Münzen.

Schiffeweise wurde das begehrte Geld in die Türkei verfrachtet. Weil die Franzosen mit dem Prägen nicht nachkamen, begannen auch die Italiener Écus herzustellen. Aber da der Écu kein Schmuckstück, sondern ein Zahlungsmittel war, führte die Massenproduktion natürlich zu einer Inflation. Vor allem in der Türkei, wo die Brotpreise unbezahlbar wurden, aber auch in Ländern, die viel mit der Türkei handelten. So wie England, das von Frankreich den sofortigen Stopp des Écu-Exports forderte. Der Türkei war das nur recht, die Frauen hatten inzwischen sowieso die Nase voll von dem kleinen Écu. Aus der Affäre entwickelte sich die erste große Währungskrise. Und im Osmanischen Reich kam es deswegen im März 1669 sogar zum Volksaufstand.

Diese Geschichte erklärt manches. Nicht zuletzt, weshalb die Politiker von ihrer ursprünglichen Idee abgerückt sind, der künftigen Europawährung den Namen Ecu zu geben. Offenbar wollte man hämische Kommentare vermeiden. Ein Zusammenhang mit dem Rausschmiß der Türken aus dem engen Kreis der EU-Kandidaten wäre indes weit hergeholt. Denn so schön kann der Euro gar nicht werden, daß türkische Frauen ihn sich ans Ohr hängten und damit Währungsturbulenzen auslösten. Überdies wacht ja die Europäische Zentralbank darüber, daß stets nur so viel Geld hergestellt wird, daß die Kapitalisten, wie Lenin sie nennt, sich keine Sorgen zu machen brauchen.