Jeder Sportart ihre Wissenschaft. Ohne Labors und Windkanäle lassen sich Spitzenleistungen heute nicht mehr erzielen - Bobs, Schlitten, Skier und Overalls wollen genauestens analysiert sein.

Ein beliebter Gegenstand der Forscher sind die Skispringer. Deren Aerodynamik stellt selbst gestandene Physiker zuweilen vor Rätsel. Thoma, Hannawald und Konsorten springen nämlich nicht nur, sie schweben. Nur wer in der Luft ordentlich Auftrieb schafft, kann bis aufs Treppchen segeln.

Das physikalische Prinzip, das den Athleten zum Flugobjekt macht, ist simpel: Unter seinem Körper und den schräg gestellten Skiern erzeugt der Fahrtwind Überdruck; in seinem Rücken hingegen und an der Oberseite der Bretter entsteht Unterdruck - es zieht den Springer nach oben.

So weit, so gut. Doch wie lassen sich die Auftriebskräfte bis zum kleinsten Luftwirbel voll ausschöpfen? Schon seit Jahrzehnten sucht die Wissenschaft nach der optimalen Skisprungtechnik. Doch die Praxis flog der Theorie davon: Als Jan Bokloev Mitte der achtziger Jahre mit einem neuen, ungewohnt anzusehenden Stil plötzlich in ungeahnte Weiten schwebte, guckten nicht nur seine Konkurrenten ratlos hinterher, sondern auch die Forscher.

1984 waren dem Schweden beim Training in Falun aus Versehen die Skier aus der parallelen Stellung in eine V-förmige geraten. Zu seiner eigenen Überraschung segelte er damit weiter als sonst. Obwohl die Wettkampfrichter ihm von nun an regelmäßig Abzüge bei der Haltungsnote verpaßten, blieb Bokloev beim V.

Wenigstens im nachhinein wollten die Aerodynamiker die neue Sprungtechnik verstehen. Manfred Kloster, Professor für Flugzeugtechnik, hängte die Barbie-Puppe Ken in den Windkanal der Fachhochschule München. An ihren Füßen befestigte er Bretter, die sich wahlweise parallel oder V-förmig stellen ließen. Später wurde Ken von Rudi abgelöst, einer siebzig Zentimeter hohen Schaumstoffpuppe, die Skisprungtrainer Rudi Tusch geschneidert hatte.

Kloster, der einen Skisprung dem Landeanflug eines Sportfliegers ähnlich findet, nennt drei Gründe, warum Springer mit dem V weiter kommen: