Einfach war es wirklich nicht gewesen. Gabriel Laub, dreier Sprachen mächtig und nun, im Herbst 1968, dabei, sich in der vierten, der deutschen, einzurichten, hatte sich mit Aphorismen, satirischen Glossen, Filmkritiken, Reportagen und Übersetzungen in Prag einen Namen gemacht. Ein halbes Jahr vorher waren wir übereingekommen, einige seiner Satiren in der ZEIT zu drucken.

Sie waren anregend zu lesen, aber so ganz kamen wir nicht hinter ihren Witz.

Das lag weder an ihm noch an seinem Übersetzer, sondern an der uns fremden politischen Daseinswelt, für die sie geschrieben waren. In der sozialistischen Diktatur darin trainiert, Kritisches vor den Zensoren "zwischen den Zeilen" zu verstecken, hatte er verlernt, geradeheraus zu schreiben, hatten wir nicht gelernt, derlei Winkelzügen zu folgen. Es hatte schon eine Weile gedauert, den Satiriker zu ermuntern, seinen Zorn, wohl eher seinen hintergründigen Spott, seinen Witz, seine Denkturnübungen nun nicht länger zu vermummen. Es war nicht einfach.

Aber wir fanden Gefallen aneinander. Am 20. September 1968 druckte die ZEIT zum erstenmal etwas von Gabriel Laub, zwei satirische Feuilletons und gut ein Dutzend Aphorismen, die in jedem Gedanken die politischen Umstände erkennen ließen, unter denen (und für die) sie gedacht worden waren - und vor denen der Autor gerade ausgerückt war. Das war drei Tage nachdem sowjetische Panzerwagen die Hoffnung auf einen "menschlichen Sozialismus" niedergerollt hatten. Laub emigrierte zuerst nach Wien, schließlich nach Hamburg.

Für den 1928 unweit von Krakau geborenen Kaufmannssohn war das nicht der erste unfreiwillige Wechsel von Land und Sprache. 1939 war die jüdische Familie vor der deutschen Wehrmacht nach Rußland geflohen, dort deportierten die Sowjets sie wenig später nach Usbekistan. Am Kriegsende nach Polen heimgekehrt, zog es den jungen Laub hingegen nach Prag. Dort studierte er Journalistik und begann alsbald, schreibend sein Talent zu entdecken, seinen sarkastischen Humor, seine Gedankenschärfe.

Er sprach also Polnisch, Russisch, Tschechisch jetzt lernte er Deutsch. Von der Redaktion ermutigt, verzichtete er bald auf seinen Übersetzer und lernte aus ihren Korrekturen. Es ging, denn sein Sprachgefühl war außerordentlich.

Schon im März 1969 druckten wir Gabriel Laubs ersten auf deutsch geschriebenen Artikel.