11. Frage: Wenn es die Möglichkeit gäbe, mit Hilfe der Genindustrie etwas in deinem Körper zu verändern, würdest du dem zustimmen? Und wenn ja, was würdest du ändern wollen?

Grünbein: Verschiedene Hirnareale würde ich gern ausbessern lassen, die Sehrinde und das Gedächtnis. Außerdem hätte ich gern eine größere Lunge.

12. Frage: Wie würdest du das ausgehende Jahrhundert charakterisieren?

Grünbein: Das 20. Jahrhundert war sicher besonders schäbig - mit seinen technischen Grausamkeiten, seinem Produktionswahn und all den unversöhnlichen Ideologien. Der überkommenen Schönheit hat es fast überall systematisch den Garaus gemacht. Die Verwüstung der Landschaften, die Vernichtung großer Talente, die ungehemmte Verbreitung von Massengeschmack: Seine Bilanz ist traurig und würde lange Listen füllen. Seine Signatur ist das Verschwinden der singulären Phänomene. Am Ende hat es den Geschichtssinn verloren auf der Suche nach dem hysterischen Augenblick.

13. Frage: Warum urinieren die deutschen Männer zu Hause im Sitzen und nicht im Stehen?

Grünbein: Ich glaube nicht, daß alle Männer das tun. Im Osten war der Brauch weniger verbreitet als im Westen. Mir scheint, es handelt sich hier um eine Erziehungsmaßnahme der Frauen. Ethnologen machen das Zusammenleben in Wohngemeinschaften dafür verantwortlich. Gleichberechtigung und sanitäre Sauberkeit sind die Motive für den Wandel im Verhalten vieler deutscher Männer seit dem Zweiten Weltkrieg. Damals stand der Soldat selbstverständlich noch breitbeinig über dem Klo, diesem Trichter, der in den Orkus mündet.